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VORWORT
Neuerlich kann die Wissenschafdiche Kommission des Theodor-Körner-Stiftungsfonds und des Leopold-Kunschak-Preises zur Erforschung der österreichischen Geschichte der Jahre 1918 bis 1938 eine Monographie zur Zeitgeschichte den historisch Interessierten vorlegen. Der vorliegende Band ist die Habilitationsschrift einer Schülerin von Prof. Walther Hofer in Bern. Die Arbeit von Frau Dr. Judit Garamvölgyi zeichnet sich durch besonders tiefgehende Kenntnis der österreichischen Geschichte aus. Ihre gezielten Forschungen zur Sozialgeschichte, die durch die schmale Quellenlage äußerst erschwert waren, weisen sie als Forscherin von hohem Einfühlungsvermögen aus.
Untersuchungen zum sozialpolitischen Wandel am Beginn der Ersten Republik stehen dem Historiker bereits in beachdicher Zahl zur Verfügung. Trotzdem sind die Arbeiten von Frau Dr. Garamvölgyi besonders wertvoll, da sie sich nicht nur mit der Entstehungsgeschichte eines grundlegenden Gesetzeswerkes auseinandersetzt, sondern auch detaillierte und tiefschürfende Forschungen zur sozio-politischen Lage der Betroffenen zu erbringen vermochte. In den ersten Jahren der neuen österreichischen Republik war es ja nicht so sehr der allgemeine politische Wandel, sondern die totale Umänderung und Umwertung sozialer Strukturen, die den Großteil des wesentlich Neuen, aber auch die Probleme mit sich brachte. Der durch diese geänderte politische Landschaft geschaffene neue Mittelstand fand in der Folge seine Erwartungen nicht erfüllt. Er wurde wegen seiner schwachen sozialen Lage zum politischen Unsicherheitspotential der späteren Jahre. Weiters verweist Frau Dr. Garamvölgyi immer wieder auf die internationale Gebundenheit Österreichs, die eine allgemeine Besserung und Anpassung an das neue soziale Gefüge infolge der international oktroyierten Deflationspolitik aus eigenen Kräften verhinderte.
Die Herausgeber danken der Berner Hochschulstiftung und dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, die eine Drucklegung dieses Buches gefördert haben. Der besondere Dank gilt Frau Dr. Erika Rüdegger vom Verlag für Geschichte und Politik, die Entstehung und Druck wieder hervorragend betreute.
Wien, im März 1983
Dr. Isabella Ackerl