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Sonderabdruck aus «Schweizerische Zeitschrift für Geschichte» Band 20, Heft 3, 1970
Herausgegeben von der Allgemeinen Geschichtforschenden Gesellschaft der Schweiz Redigiert von Andreas Staehelin und Jean-Francois Bergier
DAS KARLSBUCH NOTKERS VON ST. GALLEN UND SEIN ZEITGESCHICHTLICHER HINTERGRUND*
Von Heinz Löwe
Als Kaiser Karl III. im Herbst 883 aus Italien zurückgekehrt war, hielt er sich drei Tage lang, vom 4. bis zum 6. Dezember, im Kloster St. Gallen auf. Dort erfreute ihn der Mönch Notker, der sich selbstironisch den Stammler nannte, dem aber ein neuerer Geschichtsschreiber als Notker dem Dichter seinen Platz in der Geschichte anwies, mit Erzählungen aus dem Leben seines Urgroßvaters Karls des Großen. Sie gefielen dem Kaiser so sehr, daß er beim Aufbruch dem Mönch den Auftrag erteilte, sein Wissen über Karl den Großen in einem Buch niederzulegen. So entstand in den Jahren nach 883 Notkers Buch1 über «die Taten Karls des Großen», dessen lebendiger Inhalt - wenn auch mehr als Geschichten denn als Geschichte2 aufgefaßt - über die Jahrhunderte hinweg Leser angezogen hat und teilweise in den Besitz unserer Schulbildung eingegangen ist.
* Vortrag, gehalten bei der Jahresversammlung der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, in Ludwigsburg am 27. November 1969.
1 Die Verfasserschaft Notkers wurde gesichert durch K. Zeumer, Der Mönch von St. Gallen, Hist. Aufsätze dem Andenken an G. Waitz gew. (1886), S. 97-118, und E. Graf Zeppelin, Wer ist der Monachus Sangallensis?, Schriften des Ver. f. Gesch. des Bodensees 19 (1890), S. 33-47.
2 W. von den Steinen, Notker der Dichter und seine geistige Welt 1 (1948), S. 71.
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