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Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie, 31. Jahrg., H. 1, 1983, S. 57 - 69Die Entwicklung des ungarischen Agrarexports nach Deutschland zur Zeit des Zweiten Weltkrieges 1938 bis 1944von Istvan CsöppüsDie auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus eine gewisse Einheit bildende Österreichisch-Ungarische Monarchie ist als Ergebnis der Pariser Friedensverträge zerstückelt worden. Bei den neu entstandenen Nachfolgestaaten handelte es sich nicht um in sich geschlossene homogene Wirtschaftsräume, sondern um Export-Import-empfindliche und stark auf den Außenhandel angewiesene Länder.Die politischen Spannungen, die in der Monarchie vorhanden und wohl bekannt waren, sind infolge der Friedensschlüsse nur durch andere Spannungen abgelöst worden. Die erwartete Annäherung der neuen Staaten zueinander konnte nicht verwirklicht werden und ebensowenig gelang es gerade aufgrund der ungelösten politischen Fragen, die wirtschaftlichen Probleme zu lösen, die allenfalls in den Hintergrund verdrängt wurden1.Für Ungarn wurde die Lösung der anstehenden wirtschaftlichen Probleme hauptsächlich aufgrund des verlorenen Krieges und der Konsequenzen des Friedensvertrages von Trianon außerordentlich erschwert. Die Schwierigkeiten vergrößerten sich um so mehr, als im Rahmen der Monarchie die wirtschaftliche Entwicklung Ungarns grundsätzlich durch seine landwirtschaftliche Produktion bestimmt war. Um die wirtschaftliche Bedeutung dieser Tatsache hervorzuheben, sei darauf hingewiesen, daß 85 % der ungarischen Agrarprodukte von einem einzigen Markt mit 52 Millionen Menschen, d.h. von der Gesamtbevölkerung der Donau-Monarchie, aufgenommen wurden. Dieser große Binnenmarkt hatte ein gemeinsames Preis-, Bank- und Geldsystem; der Warenverkehr wurde ohne Devisenschwierigkeiten im wesentlichen auf der Ebene des Binnenhandels abgewickelt2. Nach der Auflösung der Monarchie hörte dieser Markt auf zu existieren, und der ungarische Agrárexport sah sich von einem Tag zum anderen der internationalen Konkurrenz des Weltmarktes ausgesetzt. Hinzu kamen wesentlich verringerte Exportmöglichkeiten und der außerordentlich enge Binnenmarkt des Landes.Die technischen und wirtschaftlichen Änderungen, die von der Mitte der 1920er Jahre an einsetzten, waren für die Entwicklung der Produktionskosten der ungarischen Landwirtschaft sehr ungünstig. Hinzu kommt, daß zur gleichen Zeit in Europa sich in der Wirtschaftspolitik mehr und mehr Tendenzen zur Autarkie und zur geschlossenen nationalen Wirtschaft abzeichneten, die die Probleme des ungarischen Agrarexportes nicht gerade verkleinerten.