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Farbräume zu den Bildern von Volker Henze
Volker Henze ist 1950 in Halle geboren. Diese Herkunft unterscheidet sein Werk nur graduell von der im Selbstverständnis der westeuropäischen Moderne verankerten Kunst gleichaltriger westdeutscher Künstler. Er hat aber, und hierin liegt der entscheidende Unterschied, mit Vorurteilen zu rechnen, die sich gerade auf diese Herkunft berufen. Im Osten gewachsene abstrakte Formvorstellungen erscheinen vielen Kritikern als bloßer Nachvollzug oder mit diesem historischen Ort unvereinbar, dem man realistische Bildfindungen als ein Adäquates zuordnet. Dieses Denken glaubt an eine progressive Kausalität der Kunstentwicklung, die den jeweils bestimmenden Stilausdruck überwindet, um zu neuen Formungsmöglichkeiten zu gelangen. Für diese Denkungsart ist das Informel bereits Kunstgeschichte.
Nach dem zweiten Weltkrieg wird die ungegenständliche Kunst in ihren verschiedensten Ausprägungen zu einem der letzten, den gesamten westlichen Kulturkreis bestimmenden Stil. Osteuropa und besonders Ostdeutschland sind davon weitge-hendst ausgeschlossen, hier bleibt der Realismus die vorherrschende Kunstäußerung. Nur wenige der älteren Generation wagen es, den Weg nonfi-gurativer Malerei einzuschlagen. Ihr Werk muß im Verborgenen wachsen. Erst sehr viel später, gegen Ende der siebziger Jahre kommen jüngere Künstler zur ungegenständlichen Malerei und Zeichnung, nicht aus einem vordergründigen Affront gegen das herrschende Kunstdiktat, sondern aus der Logik ihrer eigenen Entwicklung. Die Entscheidung fällt nahezu gleichzeitig mit subversiven Experimenten aktionistischer, prozessualer und konzeptioneller Kunstformen. Der
Damm einer erstarrten Bilderdoktrin bricht, noch ehe die Mauer und eine in sich überlebte Ordnung restlos auseinanderfallen. In den siebziger Jahren finden in der Westkunst die klassischen Avantgarden und ihre Paradigmen ein Ende. Was folgt ist ein babylonisches Stimmengewirr, die Gleichzeitigkeit der unterschiedlichsten Haltungen und postmodernen Rückbesinnungen. Der kritische Blick auf die zeitgenössische Kunst steht vor einem gewaltigen Laboratorium, in dem durchaus nicht nur neue Rezepte ausprobiert werden. Malerei scheint aber, besonders nach der gescheiterten Renaissance der »Neuen Wilden«, immer weiter auf das Abstellgleis verschoben. Erst der Vereinigungsprozeß der beiden deutschen Kulturen hat die Malerei wieder stärker in die Diskussion gebracht. Malerei war aber kontinuierlich eine der stärksten bildnerischen Ausdrucksformen und von überlebten Haltungen kann nicht die Rede sein. Es ließen sich viele Namen aufzählen, deren zeitgenössischer Beitrag Gültigkeit verlangt. Der Bilderbogen malerischer Positionen in den europäischen und amerikanischen Kulturen ist sehr weit gespannt.
Aus der Generation der Volker Henze angehört, ließe sich eine Vielzahl unterschiedlichster Sprachen herausdestillieren. Um seinen Beitrag näher bestimmen zu können, ist es zunächst wichtig, seine künstlerische Entwicklung zu skizzieren. Sein Aufenthalt in Dresden während des Studiums an der Kunsthochschule ließ ihn ein urbanes und landschaftliches Klima kennenlernen, aus dem heraus nicht nur die Gründerväter des Expressionismus ihre Farbdramen entwarfen, die von Oskar Kokoschka und Otto Dix errichteten Tradi-