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Wolfgang Limmer
Mimische Spurensuche
Bemerkungen über Sibylle Mallmanns Frauenportraits
Nur die Sehnsucht bleibt - die Arroganz der Spontaneität hat den Titel heivorgebracht. Als wir eines Tages durch den Stapel bereits fertiger Abzüge blätterten, blieben wir bei eben jener Fotografie hängen, die ein Mädchen neben einem Plakat zeigt, das in den grotesken Lettern der gefühlsgeladenen 50er Jahre einen Film mit diesem Titel ankündigt. Selbst Fotobücher brauchen einen Titel, und so schien uns dieser sogleich am geeignetsten, weil er direkt aus dem fotografischen Material stammt. Aber nicht nur deshalb.
Die Renaissance der Fotografie - nicht des Knipsens - im Zeitalter des bewegten Bildes hat ihren Grund vermutlich in ihrer, oft unbewußt, zuweilen überfallartig empfundenen Schockwirkung. Sie hängt nicht vom gewählten Sujet ab, sondern ist Eigenschaft der Fotografie überhaupt. Wenn, wie Cocteau meint, Filmen heißt, dem Tod bei der Arbeit zusehen, dann friert die Fotokamera einen wie immer willkürlich gewählten Augenblick mit dem Kälteschock der Verschlußzeit ein. Das Auftauen bleibt der Empfindsamkeit und der Phantasie des Betrachters überlassen. Diesen Freiraum zu schaffen und zu erhalten betrachte ich als eine wesentliche Aufgabe der modernen Fotografie.
Daß unsere Epoche die Erscheinung dem Sein, das Bild dem Abgebildeten vorziehe, hat schon Anselm Feuerbach vor 130 Jahren - die Erfindung der Kamera lag gerade einige Jahre zurück -beklagt, als hätte er geahnt, zu welch massenhaftem Ge- und Mißbrauch heute Daguerres und Niepees Entdeckungen herhalten. Im Wettlauf mit dem Abbild hechelt die Wirklichkeit wie der Hase hinter dem Igel her, dessen selbstgefälliges »Ick bün oll da« die surrend ausgeworfenen instant pictures oder die auf der Rückseite von Abzügen angebrachte Tonspur dokumentieren. Das Knipsen ist die verbreitetste Form der notariellen Beglaubigung. Es belegt das schöne Urlaubswetter in Spanien, den zerbeulten Kotflügel, die marktgängige Attraktivität der Beant-worterin von Heiratsanzeigen. Der Unprominenz, die sich heute für viel Geld von Andy Warhol per Polaroid knipsen läßt, dient das sofort verfügbare Foto nur noch als vorzeigbarer Beweis dafür, daß der Moment des Fotografierens stattgefunden hat. Dies ist des Hasens Tod: das Bild dokumentiert nichts mehr als den Augenblick seiner eigenen Herstellung.
Vorjahren versuchte man einmal, mir an der Grenze die Ausreise zu verweigern, weil mein