Bővebb ismertető
Ruprecht Skasa-WeißZauberer zwischen Licht und SchattenDie Meinung, das aktuelle Foto sei der Feind des Schönen, gehört zu den behebtesten Urteilen traditioneller Lichtbildnerphilosophie, hrgendwie spukt da der Glaube nach, eine Trauerweide im Nebel wirke allemal künstlerischer als etwa ein Moto-Cross-Fahrer im Wiesenmorast Wer sich von dieser Auffassung - endgültig -kurieren lassen möchte, studiere die Büder des vor ihm liegenden Buches: eindrucksvolle Farbaufnahmen aus allen Bereichen von Sport und Spiel, Aufnahmen, teils dramatisch, teils stimmungsstark, teüs von zartem poetischem Zauber, doch allesamt unzweifelhaft geeignet, das landläufige ästhetische Einteilungsschema (hie aktuelles Dokument, hie unvergängliches Kunstwerk) im Handumdrehn durcheinanderzubringen. Es sind Bilder von großem Gestaltungsvermögen und phantastischer Schönheit Von wem stammen diese Aufnahmen? Gewiß verraten wir dem Kundigen nichts Neues mit der Erwähnung, daß Erich Baumann als der Vater dieses Buches seit vielen Jahren zu den begabtesten, erfolgreichsten Sportfotografen der Welt zähltEr ist ein Phänomen, in der Tat Derm im Grunde arbeitet dieser Fotograf in einem der härtesten Jobs überhaupt, er, em termingehetzter Büd-reporter, ein reiner Pressemann nach seiner Funktion. Ein Fotolieferant, ein Mann im Dienste seiner Auftraggeber. Und doch durchblitzt er die Ereignissse seines Tagesgeschäfts mit so viel inspirativem Gespür, daß deren büdgewordener Abglanz alle dokumentarischen Sensationsreize weit überstrahlt Gleichgültig, ob ihm ein Radrennfahrer oder ein Pistolenschütze, ein Turner oder ein Dressurreiter, ein Riesenslalomläufer oder ein Eishockeytorwart vors Objektiv gerät stets bleibt das Flair dieses Fotografen untrügüchgenug, den Menschen im Sport ganz zu erfassen, in seiner gesammelten Konzentration, seiner Ausdauer, Eleganz und sieghaften Kraft Kein Zweifel: um so zu fotografieren, bedarf es besonderer Sehensbefähigung. Scheinbar besteht Baumanns Geschäft in nichts anderem als eben darin, zufällige und terminierte Höhepunkte des brisanten Wettkampfgeschehens in den Arenen der Welt zu fotografieren - aber seltsam: dieser Mann gebraucht seinen geschärften Sinn mit derart blicksicherer Gelassenheit, daß man unentwegt den Eindruck hat, was Höhepunkt sei, bestimme einzig er selber. Er: ein Souverän des Augenblicks, ein Virtuose an der Kamera, vor dessen Blick sich die Momente weiten, bis sie, irgendwo am äußersten Rand der Sekunde, sich jäh erfüllen.Baumann, dessen Profession es ist immer dort zu sein, wo die Startpistolen knallen und die Trillerpfeifen trillern, unterstellt sich nicht dem Diktat der Sekunde: Er ist ihr Herr. Kein Box-Champ und kein Abfahrtsläufer, kein Hundertmetersprinter imd kein Formel-I-Wagen hat seine Reflexe je überrumpelt Es wäre eine Sache für sich, die ungeheure Reaktionsschnelligkeit dieses Mannes anhaltend zu bestaunen - käme dem nicht die Überlegung dazwischen, daß Reaktion hier überhaupt kein Wort mehr ist Denn bei Baumann liegt die Reaktion vor der Aktion, sie läuft ihr voraus, nimmt sie hellsichtig-sensitiv vorweg. Ein solcher Mann wittert den dramatischen Höhepunkt, den vollkommenen Augenblick, jenen Top-Moment, da der Degenfechter aus dem parierenden Drehsprung, zielschnell gestreckten Flugs, den Gegentreffer erzielt. Kein Gebiet der Fotografie ist vielgestaltiger, weitgespannter, erlebnisgesättigter als das Feld des Sportfotografen: Zwischen Siegeseuphorie