IHIEINLEITUNGIm ständigen Kreislauf der Natur, im Wechsel der Jahreszeiten - in der früh-lingshaften Erneuerung und der herbstlichen Reife, im sommerlichen Reichtum und winterlichen Traum - ist neben den Tagen das Jahr die rundeste Zeiteinheit. Diesen rhythmischen Wechsel und in seiner Folge die Entfaltung der Vegetation ruft der Gang der Sonne hervor, die das tägliche Leben und die Arbeit des Menschen, die Grundvoraussetzungen des Wirtschaftslebens bestimmt.Das Jahr hat der Mensch immer als kultisches Ganzes empfunden, und er hält sich...
IHIEINLEITUNGIm ständigen Kreislauf der Natur, im Wechsel der Jahreszeiten - in der früh-lingshaften Erneuerung und der herbstlichen Reife, im sommerlichen Reichtum und winterlichen Traum - ist neben den Tagen das Jahr die rundeste Zeiteinheit. Diesen rhythmischen Wechsel und in seiner Folge die Entfaltung der Vegetation ruft der Gang der Sonne hervor, die das tägliche Leben und die Arbeit des Menschen, die Grundvoraussetzungen des Wirtschaftslebens bestimmt.Das Jahr hat der Mensch immer als kultisches Ganzes empfunden, und er hält sich bis heute an dessen kosmische Wandlungen. Die liturgische Ordnung des christlichen Kirchenjahres, das sich am Leben Jesu in den Evangelien orientiert, verschmolz aus dem alttestamentlichen Kultus und den archaischen Festtraditionen des antiken Heidentums wie auch der europäischen Völker und baute sich zugleich auf dem astronomischen bzw. Wirtschaftsleben auf. Von daher kommt die fast brüderliche ÄhnÜchkeit der Jahresfeste der europäischen Völker. Gemäß dem populären bzw. traditionellen Lebensgefühl sind Welt und Mensch Schöpfungen, sie hängen von dem Schöpfer ab, der der Herr der Natur und des Lebens ist und dem somit der Kultus gebührt. Dies kommt nicht nur im fallweisen, einsamen Gebet und den Andachten des Einzelnen, sondern vor allem in den verbindlichen, liturgischen Formen der Gemeinschaft, im gesellschaftlichen Erbe des Festbrauches und der Tradition zum Ausdruck.Dieser Kultus will im Laufe des Jahres auf "primitiver" Stufe durch magischen Zwang, in der kirchlichen Praxis und ihren volkstümlichen Abkömmlingen durch Bitte, liturgische Zeremonie, Segen und SakramentaÜen, zuweilen durch Fasten und Pönitenz für den Einzelnen, die Familie und die Gemeinschaft den Segen, das Wohlergehen im Leben, vor allem die Fruchtbarkeit der Frau, des Feldes und des Viehs erlangen und des weiteren Naturkatastrophen und Krankheit abweisen sowie den Tod hinausschieben.Da die Kirche den primitiven heidnischen Sakralismus nicht mit der Wurzel ausrotten konnte - obwohl ihre ungeduldigeren/intoleranteren Diener dies zuweilen unbarmherzig versucht haben -, paßte sie sich der Lehre ihres Meisters an, der nicht gekommen war, um das alte Gesetz und die Propheten aufzulösen, sondern zu erfüllen (Mt 5,17). Mit dieser Geduld und ihrem manchmal erzwungenen Abfinden hat sie selbstverständlich auch zum Weiterbestehen und Weiterleben der archaischen Weltanschauung beigetragen. Sie war darum bestrebt, den Kategorien und menschlichen Reflexen der Tradition eine biblische HeiUgung zu geben. So legte sie unter anderem Weihnachten auf die ekstatische heidnische Opferperiode der Wintersonnenwende, Ostern und Pfingsten auf die uralten großen Frühlingsfeste. Sie stellte die Immanenz der Natur in transzén-A; iiÉh m.1
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