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L. VÉRTES
BEITRÄGE ZUR TECHNOLOGIE DES PALÄOLITHIKUMS
Wir haben uns schon mehrere Male mit dem genetischen Zusammenhang des ungarischen Mousteriens und der typisch ungarischen Paläolithindustrie : des Bükker Szeletiens befasst.^ Bei den bisherigen Untersuchungen gingen wir in erster Linie von der Stratigraphie und Chronologie und in zweiter Linie von der Morphologie der Werkzeuge aus. Bei diesen Untersuchungen hatten wir den Eindruck, dass sich das Frühszeletien altpaläolithischen Charakters, wie es aus der Szeleta- und aus der Balla-Höhle bekannt ist, aus dem Bükker Moustérien (näher aus dem Mou-stérien der Subalyuk-Höhle, unter Einschaltung des Pundmaterials aus der Höhle von Kecskés-galya und aus der Ballavölgyer Höhlung) ableiten lässt. Auffallend ist aber der grosse Unterschied in der Technik der Herstellung der Moustérien- bzw. der Bükker Prühszeletienwerkzeuge, der sich hauptsächlich darin offenbart, dass die ersteren mit einer charakteristischen Stufenretuschierung hergestellt wurden, während für die letzteren die bekannte doppelseitige Bearbeitungsweise typisch ist. Die Betuschierung der Vorder- und der Rückseite trifft sich an den Kanten und bildet eine zickzackige, an die der Faustkeile erinnernde Schneide. Die Arbeitskanten sind dabei stumpf und fast senkrecht auf die Oberfläche der Werkzeuge. Um einen eventuell bestehenden Zusammenhang der zwei Bearbeitungsarten nachweisen zu können, mussten wir uns experimentell mit einigen Grundfra'gen der Bearbeitungstechnik von Paläollthwerkzeugen befassen. Hier wollen wir nun über diese Laboratoriumsstudien berichten.
Zu unseren Experimenten konstruierten wir einen Retuschierungsapparat (Abb. 1), der aus folgendem besteht : Ein 300 gr schwerer Hammer (1) schlägt auf den Silex, der zum Experiment dient. Der Stiel des Hammers (3) ist 50 cm lang, aus elastischem, 5 mm 0 Stahl, und bewegt sich in einem Gelenk (4). Die Schlagfläche ist aus besonders festem Werkzeugstahl (2), die Spitze ist am Ende abgerundet : der Hieb trifft daher nur eine ganz kleine Fläche am Silex. Zwei Füli-rungsleisten (6) verhindern, dass sich die Bahn des Hammers seitwärts verschiebt ; ein Stoss-fänger aus Gummi (5), auf dem der Hammer in waagerechter Stellung ruht, ergänzt den Apparat. Das Objekt, das man retuschieren wollen, fixiert man einige mm unter der Spitze des Hammers in Ruhelage. Damit erreicht man, dass der Hammer, von oben auf das Objekt fallend, mit einem kurzen, scharfen und elastischen Hieb das Objekt trifft. Mit Hilfe dieses einfachen Apparates kann nian die Energie des Schlages und seinen Winkel — die zwei Faktoren, die das Resultat bestimmen® — genau lenken.
Wir wollen hier nicht die verschiedenen Retuschierungsmethoden besprechen. Um unser Ziel zu erreichen, genügt eine Gruppe der Gesetzmässigkeiten zu untersuchen und festzustellen, was für Retuschen infolge der aus verschiedenen Richtungen einwirkenden Kraft — sei sie nun Schlag oder Druck — entstehen.
' L. vébtes : Beiträge zur Abstammung des ^ S. F. Bobdes: Étude comparative des différentes
ungarischen Szeletiens. Folia Arch. 10 (1958). S. techniques de taille du silex et des roches dures, 3-15. L'Anthropologie 51 (1947) S. 10.