Bővebb ismertető
Günter Rager
Medizin als praktische Wissenschaft. Zur Grundlegung des arztlichen Handelns
1. Das arztliche Handeln in Gefahr
Die Unsicherheit über den Wissenschaftscharakter der Medizin ist weitverbreitet. Wegen des ungeheuren Fortschritts in der wissenschaftlichen Erklarung normaler und pathologischer Prozesse und der erfolgreichen Anwendung technisch anspruchsvoller Diagnostik und Therapie sind heute viele davon überzeugt, die Medizin gehöre zu den Naturwissenschaften und insbesondere zu den angewandten Wissenschaften. Tatsach-lich gibt es viele Áhnlichkeiten zwischen medizinischer Praxis und Reparaturwerkstat-ten in verschiedenen Bereichen der Technik. Ein gigantischer diagnostischer Apparat wie etwa die Computertomographie oder das Kernspinresonanz-/Verfahren wird heute ein-gesetzt. Die Therapie hat sich in ahnlicher Weise gewandelt. Hochentwickelte Medika-mente werden infundiert, strahlende Substanzen werden angewendet, Tumorén werden herausgeschnitten, Organe transplantiert, die Befruchtung wird in vitro vollzogen und das befruchtete Ei wird anschlieflend in den Uterus eingepflanzt. Infolge der jüngsten Fortschritte in der Neurobiologie besteht berechtigte Hoffnung, daB in absehbarer Zu-kunft unterbrochene Verbindungen des Zentralnervensystems wieder hergestellt werden können. Die Gentechnologie soll helfen, um Erbkrankheiten zu eliminieren. Diese Akti-vitaten zeigen, daB der Mensch fur ein Wesen gehalten wird, das ahnlich wie Autós, Computer oder Flugzeuge regelmaBiger Wartung oder Reparatur bedarf. Auf diesem Hinter-grunde ist es wohl verstandlich, daB das Verhalten der Arzte sich ebenfalls verandert hat. Oft wird im medizinischen Betrieb vergessen, daB der Patient eine Person ist, zu deren Wesensbestand auch die psychische und geistige Dimension gehört.
Diese Entwicklung provoziert starke Reaktionen. Die Patienten empfinden Unbeha-gen über die neue Atmosphare, die insbesondere in Krankenhausern Einzug gehalten hat. Obwohl ihre Krankheit auf der physischen Ebene behandelt und vielleicht auch geheilt wird, bestehen ihre psychischen und sozialen Probleme weiter und blieben nicht ohne Wirkung auf ihr physisches Wohlbefinden. Immer mehr Árzte beginnen zu realisieren, daB psychische und soziale Probleme ebenfalls ins Auge gefaBt werden müBten; der Ein-fluB dieser Probleme bei der Entstehung bestimmter Erkrankungen sollte analysiert, der Patient wieder als eine ganzheitliche Person behandelt werden. Es wird groBer Wert auf einen psychologischen oder sogar psychotherapeutischen Zugang zum Leiden des Patienten gelegt. Dieser psychologische Zugang birgt jedoch die Gefahr in sich, in eine an-dere Einseitigkeit zu verfallen und die physischen Aspekte der Krankheit zu vernachlas-sigen. Aus diesem Grundé wird heute ein ganzheitliches Verstandnis des Patienten ange-strebt (Willi und Heim, 1986; Uexküll und Wesiack, 1988).
Diese jüngsten Entwicklungen in der arztlichen Praxis sind wichtig, um die Arzt-Pa-tienten-Beziehung zu verhessem und einen Ausgleich zu schaffen zur Dominanz der In-genieurmentalitat in der Medizin. Trotzdem bleibt umstritten, welcher wissenschaftliche Charakter der Medizin zukommt. Hier muB Klarheit geschaffen werden, um eine solide und angemessene Basis für das arztliche Handeln zu legen.
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