Bővebb ismertető
Hans-Jürgen Möller
Von der Verpflichtung zur Hilfe fíir den Suizidalen: Grundsátzliches und Realisierungs-möglichkeiten aus psychiatrischer Sicht
1. Einleitung
Mehr als 10 000 Menschen pro Jahr begehen in der Bundesrepublik Deutschland (die Zahl bezieht sich nur auf die altén Bundeslander!) Suizid, die Selbstmordrate (Zahl der Suizide pro Jahr pro 100 000 Einwohner) betrágt ca. 20. Vereinfacht ausgedrückt kann man sagen, daB sich etwa alle 40 Minuten in der Bundesrepublik Deutschland ein Mensch das Leben nimmt. Um ein Vielfaches höher als die Zahl der Suizide ist die Zahl der Suizidversuche. Wegen der hohen Dunkelziffer láBt sie sich nicht genau erfassen. Man schátzt, daB die Re-lation zwischen der Frequenz von Suizidversuchen und Suiziden in der Gröfienordnung von 10:1 liegt. Man kann alsó davon ausgehen, daB etwa alle 4 Minuten in der Bundesrepublik Deutschland ein Mensch versucht, sich das Leben zu nehmen, ohne daB dies zum Tod des Betreffenden fuhrt.
Diese Zahlen weisen nachdrücklich auf ein groBes Problem, das in der öffentlichen Dis-kussion viel zu wenig Beachtung findet. Auch die Medizin hat sich lange Zeit sehr schwer getan, sich diesem Problem intensiv genug zu widmen. Wenn dies nicht alléin auf Be-quemlichkeit oder mangelnde Ressourcen zurückgeführt werden kann, so ist möglicher-weise eine historisch geprágte, bis in unsere Zeit reichende Ambivalenz in der Bewertung des Suizids und der Suizidverhütung einer der Erklárungsgründe.
Nachfolgend soll im ersten Teil dieses Beitrages kurz die unterschiedliche Bewertung des Suizids und der Suizidverhütung nachgezeichnet werden und dann das psychiatrische Postulat einer Medikalisierung des Suizids und die daraus ableitbare Therapieverpflichtung dargestellt werden. Im weiteren wird dann ausführlich über die verschiedenen Realisie-rungsversuche von Hilfsangeboten und die diesbezüglichen Schwierigkeiten im Bereich der primáren, sekundáren und tertiáren Prophylaxe berichtet.
2. Der historische Wandel in der Bewertung des Suizids
DaB das Leben einen Wert darstellt, wird allgemein angenommen und bedarf gewöhn-lich keiner theoretischen Rechtfertigung, insbesondere die Mediziner folgen einer solchen »naiven« Auffassung vom Leben. Den Wert des eigenen Lebens in Frage zu stellen, be-trachten viele als Zeichen einer Krise oder sogar als Krankheit und Anomalitat. Die Philo-sophie hat jedoch Schwierigkeiten, die simplifizierende Betrachtungsweise nachzuvoll-ziehen.
Es könnte plausibel erscheinen, von der Voraussetzung auszugehen, daB Selbstmord-verhütung eine in jedem Falle erwünschte und gesellschaftlich anerkannte Tatigkeit sei. Die Geschichte lehrt, daB diese zunachst plausible Auffassung nicht den historischen Realitá-ten entspricht, sondern daB abhángig von der Bewertung des Suizids in der jeweiligen historischen Situation auch unterschiedliche Positionen zur Frage der Selbstmordverhütung
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