Bővebb ismertető
Waldemar Molinski SJ
Westliche Kultur und behinderte Menschen1
I. Historischer Teil
1. Einleitung. Behinderung im Kontext der Eigen- und Fremdwahrnehmung
Wenn man einen Beitrag über die westliche Kultur und behinderte Menschen schreibt, ist es wichtig, daB man erláutert, in welcher Perspektive man das Phánomen der Behinderung be-handelt. Das Ergebnis einer Analyse (Beschreibung und Bewertung) des Phánomens der Behinderung hangt námlich wesentlich davon ab, wie man es wahrnimmt. Darum ist zunachst prinzipiell zu klaren, welche Personen man als behinderte Menschen ansieht, und wie sich ihre Behinderung im Kontext des eigenen und fremden Umgangs mit Behinderung auswirkt.
Unter Behinderten versteht man Menschen, die entweder in ihren körperlichen oder gei-stigen oder psychischen oder sozialen Funktionen oder in mehreren dieser Funktionen er-hebliche und relatív dauerhafte Beeintráchtigungen aufweisen. Behinderungen werden auf drei Ebenen wirksam:
1. Die behinderten Menschen erfahren eine unmittelbare Lebenserschwerung durch die Behinderung selbst. Sie erfahren unmittelbar und im Vergleich mit anderen eine bestimmte Begrenzung ihrer Fáhigkeiten. Sie erieben gleichzeitig, daB ihre Teilhabe am Leben der Gesellschaft wesentlich erschwert ist. Behinderte Menschen habén deshalb in der Regei erhebliche Schwierigkeiten, ihre Behinderung zu akzeptieren und sich mit ihr zu identifi-zieren.
2. Diese Beeintráchtigungen fiihren dazu, daB die behinderten Menschen zum gleich-berechtigten, ihrer Eigenart entsprechenden menschenwürdigen Leben mehr als andere auf die Hilfe anderer angewiesen sind.! So ist zum Beispiel ein Schwachsinniger auf mehr Hilfe angewiesen als ein Hochbegabter, um die fiir seinen (angemessenen) Lebensunterhalt nöti-gen Ressourcen zu erhalten.
3. AuBerdem rufen die Behinderungen bei nichtbehinderten Menschen verschiedene Ángste und sonstige Reaktionen hervor, die sie zu Abwehrhaltungen gegenüber den behinderten Menschen veranlassen. Nichtbehinderte Menschen habén in der Regei erhebliche Schwierigkeiten, behinderte Menschen zu akzeptieren und sich mit ihnen zu identifi-zieren.
Wegen der Hilfsbedürftigkeit der Behinderten und wegen der Reaktionen, die sie bei nichtbehinderten Menschen hervorrufen sowie wegen der Reaktionen auf die Einstellung der nichtbehinderten Menschen zu ihnen entsteht zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen ein sehr komplexer und konflikthafter InteraktionsprozeB.3
Die Belastungen, die fúr die behinderten Menschen durch den sozialen InteraktionsprozeB entstehen, áuBern sich in den Vorurteilen, unter denen sie zu leiden habén, auBer-dem in den Erwartungen, die an sie seitens der nichtbehinderten Menschen gestellt wer-