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Vom Frieden im HerzenJasagen aus Jasagen und Neinsagen aus Jasagen Paul Imhof, MünchenVon manchen denen da oben", von manchen denen da untén" und manch-mal auch von uns sind wir es gewohnt - aber gerade eine Gewohnheit ist oft das Gewöhnliche, das allzu Gewöhnliche daB das Poetische eines Gedichtes in platté Moralanweisungen umgemünzt wird. Fast überall ist der mehr oder minder drohende Zeigefinger zu sehen. Hat man nicht recht, wenn man sagt: Man muB den Gürtel enger schnallen; die Ansprüche sind zurückzuschrauben, bzw. ich aber muji auf jeden Fali habén ? Nur leider: Die Form des Appells zersetzt die Atmospháre von Dichtung und Freiheit, in der wir uns wie von selbst positiv wandeln und - gleichsam nebenbei - gut handeln. Kennen wir nicht - jenseits von moralischer oder machtbesetzter Indoktrination - den ech-ten, befreienden Verzicht, der Überflüssiges beiseite ráumt, uns die Augen öffnet und uns neu sehen láBt? Es gibt doch ein authentisches, zutiefst mensch-liches Neinsagen zu einem Zuviel: aus dem Ja zu gröBerer Frucht.In einem Gedicht von R. Kunze wird dies transparent. Und nicht nur dies. Wir lesen bei ihm zum Beschneiden der Apfelbáume im Winter"1:Mit den ihrenknappé ich alle zweige in mir die hoch hinauswollenVon neuemauf die augen setzendUnd auf die áste nach auBenDurch die krone eines apfelbaumesmuB ein mann mit korb hindurchgehn können, sagendie altén gártnerUnd übergroBes leid und übergroBe freude müssen hindurchgehn können durch unsDie Einsicht, die ein frischgeschnittener Apfelbaum mit sich bringt, tut gut. Wer wagt, mit neuen Augen sich und die Welt zu sehen, der sagt ja zu den Kon-sequenzen, auch zum Schmerz und zur Harte des Verlustes von Zweigen. Das Wachstum im Frühjahr kann beginnen. Der Baum wird seine Frucht bringen zur rechten Zeit.1 Reiner Kunze, Auf eigene Hoffnung. Gedichte, Frankfurt 1981, 54.