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Gottesdienst als Befáhigung zum Weltdienst — Weltdienst als Auftrag des Gottesdienstes
Karl-Heinz Grumbach, Innsbruck
Wir leben in einer Welt von Formeln, von schlagwortartig in die Diskus-sion geworfenen Imperativen und von geschickt formulierten Denkmodel-len. Wer es versteht, in einem griffigen Satz eine These in die Welt zu setzen, hat damit eigentlich schon die erste Rundé im Kampf um seine These gewonnen. Eine solche These ist auch in dem immer wieder gehör-ten Wort vom „Weltdienst" des Christen gegeben. Die tiefe, vielleicht lange Zeit zu wenig gesehene Wahrheit des hier sich áuKernden christ-lichen Auftrags ist sicherlich ein Stigma der modernen Spiritualitát1. Ist aber damit die ganze christliche Spiritualitát umschrieben? Das Schlag-wort hat die innere Tendenz, es uns nahezulegen!
Haltén wir dagegen einen Satz aus der Kirchenkonstitution des Zwei-ten Vatikanums, in dem das eucharistische Opfer „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens"2 genannt wird. Tut sich hier nicht eine völlig andere Welt auf? Ist da nicht von „Gottesdienst" statt von „Weltdienst" die Rede? Wo liegt alsó der „Höhepunkt" des christlichen Lebens: im „Gottesdienst" oder im „Dienst an der Welt und am Náchsten"? Diese Frage bewegt heute viele. Theoretisch, theologisch láfit sich darauf wohl antworten, lassen sich beide miteinander zur Einheit bringen. Aber im Tun fallen sie, gerade heute, oft auseinander; jeder macht die Erfahrung der eigenen Hilflosigkeit, wenn er die organische Einheit von „Gottesdienst" und „Weltdienst" zu vollziehen sucht.
Unsere kurze Besinnung kann natürlich keine Patentlösung bieten. „Lö-sungen" in diesen Lebensfragen sind immer die Frucht eines ganzen Lebens und nicht nur theoretischer Einsichten. Aber vielleicht kann eine Besinnung doch dazu verhelfen, das Reifen der Frucht zu erleichtern und die innere Einheit unseres christlichen Lebens erneut zu Bewufitsein zu bringen.
Wir wollen von einer Grunderfahrung ausgehen, die der Christ macht, wenn er (selbstkritisch) versucht, seine Arbeit in der Welt als den Voll-zug seines Christseins, das heifit als liebenden Dienst zu verwirklichen. Es ist die Erfahrung unserer Selbstbezogenheit, daft wir uns immer wieder in
1 Man braudit nur die Texte des II. Vatikanum daraufhin durchzusehen.
2 Art. 11.