Bővebb ismertető
Der zwiespáltige Mensch
Friedrich Wulf SJ, München
Zwei Grundhaltungen menschlicher Selbstwerdung
Entfaltung und Reifung des Menschen sind geknüpft an die tiefere Einheit von Selbstand und Sich-Verdanken. Da ist zunáchst der Selbstand. Schon der Jugendliche mufi sein Leben frühzeitig in die Hand nehmen; er mufi seinen Weg suchen, seine Kráfte einsetzen, sich entscheiden, Verantwor-tung übernehmen, einen Platz in der Gesellschaft erobern und in der (für die) Gemeinschaft eine Lebensleistung erbringen. Anders kommt er nicht zu sich selbst, wird er nicht er selber, sondern bleibt ewig ein Geschobener, von unkontrollierten Antrieben, Zufállen und Fremdeinflüssen gesteuert. Und an dem einmal Gefundenen gilt es festzuhalten, aber so, dafi es weiter-verfolgt, entfaltet und in die Zukunft hinein offengehalten wird. Das geschieht nur unter Mühe, in stándiger Auseinandersetzung mit sich und der Welt. Die Selbstbehauptung steht unter dem Vorzeichen des Wider-standes. Erst nach vielen Kámpfen, Siegen und Niederlagen wáchst dem Selbst, dem Ich eine Stárke zu, die das Abenteuer des Lebens, auch in schwierigen Situationen und Aufgaben, bestehen láfit.
Aber das ist nur das eine. Hinzu kommt als wesentliches Element menschlicher Entfaltung und Reifung die Erkenntnis und Annahme des Geschenkcharakters des Lebens. Der Mensch verdankt sein Dasein nicht sich selbst, es ist ihm geschenkt worden. Das ist nicht nur von seinem Anfang, seiner Geburt und Mitgift zu verstehen. Das Gesetz des Anfangs ist vielmehr ein bleibendes Gesetz seines Lebens. Die eigentlich humánén Kráfte kann er nicht an sich reifien; sie fliefien ihm nur aus der Tiefe zu. Dafür mufi er sich lassen können, mufi er still werden und hinhorchen. Anders erschliefit sich ihm nicht der unverfügbare Ursprung seines Daseins, der im Geheimnis liegt. Wo aber dieses Geheimnis einmal entdeckt ist, da beginnt der Mensch zu erkennen, dafi er arm und reich zugleich ist, reich in seiner Armut, einem tiefsten Angewiesensein auf einen Geber; da sieht er neu, da kommt die Welt der Dinge und Menschen in einer neuen Weise auf ihn zu, um für ihn da zu sein, um ihn zu beschenken; da wáchst das Urvertrauen zum Dasein, da wird auch dort noch Sinnerfahrung gemacht, wo alles den Blick zu verstellen scheint. Vieles von dem, was Menschen sich selbst und ihrem guten Willen zuzuschreiben pflegen, das erachtet der-jenige, der sein Leben tieferen Máchten verdankt, als etwas, das ihm, nicht zuletzt durch Menschen, ermöglicht und geschenkt wurde.