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Die Füllé des Geistes
und der eine Herr Jesus Christus
Josef Sudbrack, München
Bei Hans Urs von Balthasar fand ich eine glückliche Formulierung für die Si-tuation und - mehr noch - für die Aufgabe des Christentums von heute: Nicht Pluralismus, aber Pluralitat ist notwendig! GewiB, das sind nur zwei Worte; sie müssen auf die Wirklichkeit bezogen und mit Realitát gefüllt werden. Doch sehr schnell beginnen sie lebendig zu werden.
Pluralismus heiBt: Viele Wege, die ihre eigenen Ziele habén; ein jeder sucht die Selbstverwirklichung für sich oder für eine Gruppé, ohne sich um andere zu kümmern; das bedeutet Beziehungslosigkeit, und wo Beziehung entsteht, hat sie das eigene Ziel zum MaBstab.
Pluralitat aber meint: Miteinandergehen, wenn auch auf verschiedenen We-gen; in aller Unterschiedenheit steht námlich ein gemeinsames Ziel vor Augen, ein gemeinsames Anliegen; und an ihm miBt sich ein jeder. Pluralitat beruht auf einem tiefer liegenden Grundkonsens, wie er in Demokratien von heute so sehr herbeigewünscht wird. Von dorther entfaltet sich die Verschiedenheit zur Füllé und die Vielheit zum Reichtum. Es entstehen Gespráche zwischen den Meinungen, Brücken werden gebaut. Und ein jeder entdeckt, daB sogar die Ansicht, die er selbst nicht teilen kann, beitrágt zur Harmonie und zur Kraft des gemeinsamen Ganzén.
Wenn das Christentum stark war, barg es in sich diese Lebensfülle, die weder in den Pluralismus der Beziehungslosgkeit noch in die ebenso beziehungslose Gleichmacherei zerfállt. Wie ein buntes Kirchenfenster wirkte dieser Reichtum; von auBen konnte man seine Struktur als chaotisch ansehen; dem Gláubi-gen innerhalb der Kirche aber war er strahlende Füllé, Einheit in Verschiedenheit, Gemeinsamkeit in der Vielheit der Farben.
Aus dieser Lebenskraft heraus konnte das Christentum seinen Innenraum erweitern, andere Menschen einladen zum Eintreten; es konnte neue Ele-mente und andere Farben einfügen in die Vielheit. Aus dieser Lebensfülle brach die Kraft zur Glaubensverkündigung, zur Mission, zum Gesprách auf.
Paulus erkannte, daB die Wurzel dieser Pluralitat, dieser Lebensfülle den Namen Gottes trágt: Heiliger Geist! „Es gibt Verschiedenheiten in der Zutei-lung von Gnadengaben, doch nur einen und denselben Geist. Alles wirkt ein und derselbe Geist, der jedem für sich zuteilt, wie er will."
Paulus stellte zugleich den Grundkonsens, das gemeinsame Ziel heraus, das die Pluralitat der Gaben eint und nicht zerfallen láBt. „Niemand kann sagen: Herr ist Jesus, auBer im Heiligen Geist." (1 Kor 12, 3-11) Der erste Johan-