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David Seeber - Herder Korrespondenz Januar-Dezember 1986 [antikvár]

Herder Korrespondenz Januar-Dezember 1986 [antikvár]

David Seeber, Fritz Csoklich, Nadja Simon

 
HERDER KORRESPONDENZ Heft 1 • 40. Jahrgang • Januar 1986 Hoffen wir, daß uns die Überfahrt vom Gestern ins Heute glückt, daß wir alle die Zeichen der Zeit richtig lesen, die Umrisse des neuen Ufers bald erkennen. Hans Maier Näher an den Problemen der Welt? Kardinal Danneels sagte vor der Konzils-Synode, die Kirche sei seit dem Konzil und dank diesem „näher an den Problemen der Welt" als früher. Einer solchen Aussage möchte man spontan zustimmen. Je länger man aber über sie nachdenkt, um so mehr Zweifel, ob dies wirklich...
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HERDER KORRESPONDENZ Heft 1 • 40. Jahrgang • Januar 1986 Hoffen wir, daß uns die Überfahrt vom Gestern ins Heute glückt, daß wir alle die Zeichen der Zeit richtig lesen, die Umrisse des neuen Ufers bald erkennen. Hans Maier Näher an den Problemen der Welt? Kardinal Danneels sagte vor der Konzils-Synode, die Kirche sei seit dem Konzil und dank diesem „näher an den Problemen der Welt" als früher. Einer solchen Aussage möchte man spontan zustimmen. Je länger man aber über sie nachdenkt, um so mehr Zweifel, ob dies wirklich so sei, kommen einem. Sie ergeben sich nicht nur aus der vielen Beschäftigung der Kirche mit sich selbst in dieser ganzen Zeit, von der sie auch jetzt noch nicht loskommt. Und es geht auch nicht um das Davor und Danach. Daß das Zweite Vatikanum als eine seiner wesendichsten Errungenschaften ein offeneres Verhältnis zur Welt anstrebte und im Prinzip auch bewirkte, steht außer Frage. Allein schon die Durchsetzung des Dialogprinzips, vom Konzil und von Paul VI. mit gleichem oder doch vergleichbarem Nachdruck gewollt, veränderte das Kirche-Welt-Verhältnis in fast jeder Beziehung. Wird heute nicht viel intensiver und grundsätzlicher das Gespräch mit den verschiedenen Wissens- und Lebensbereichen wenigstens gesucht? Und hat die Kirche nicht, indem sie sich mehr denn je der Menschenrechte annimmt, sich in sozialen und politischen Fragen engagiert und sich den verschiedensten ethischen Problemen widmet, wie ebenfalls auf der Synode festgestellt wurde, bereits wieder sehr viel an moralischer Autorität zurückgewonnen? Dies alles gibt es und ist des Nachdenkens wert. Aber heißt das schon Weltnähe im Sinne eines wirklichen faktischen, genauen Kennens von weltlichen Problemen und des Umgangs mit ihnen? Entpersönlichung als Gefahr einer neuen Weltfremdheit Zunächst einmal: Im Zweiten Vatikanum wurde das Kir-che-Welt-Verhältnis zwar insgesamt neu bestimmt, im Sinne einer Neubewertung der Moderne. Aber dies muß noch keineswegs heißen größere Problemnähe: faktisch, real, existentiell. Es ging zunächst um Grundsatzentschei- dungen mit praktischen Folgen natürlich, aber noch auf einer sehr allgemeinen Ebene mit relativ hohem Abstraktionsniveau. Für die Kirche kann der Weltbezug aber zuallerletzt etwas Abstraktes sein. Näher an den Problemen der Welt sein kann für sie nur heißen: näher an den Menschen sein, ihre Situationen kennen, sich mit ihren existentiellen Problemen, tieferen und auch oberflächlicheren, auseinandersetzen; und ein Gespür dafür haben, was sich an den Lebensbedingungen groß- und kleinräumig, in Staat und Gesellschaft, in der Familie, in der Arbeit und in der Freizeit verändert. Da nützt der beste, intensivste Dialog mit Gewerkschaf dem, Unternehmensvertretern, Kulturschaffenden auf höchster Ebene nicht viel, wenn dies alles bereichsbezogen bleibt und sich dadurch im Verhältnis zum einzelnen wenig ereignet. Ein intensiveres, aber vor allem bereichsbezogenes Weltverhältnis kann nämlich auch bedeuten, daß die Kirche als Großgruppe mit anderen gesellschaftlichen Großgruppen unter sich bleibt und sich dadurch einer neuen Art von "Weltfremdheit aussetzt: indem sie über die Großgruppen oder auch über die Vertreter der staatlich verfaßten Öffentlichkeit nur das organisierte Substrat an gewonnenen Problemeinsichten erfährt bzw. wahrnimmt. Die Kirche partizipiert auf diese "Weise an der „Weltfremdheit", sprich Menschenferne, anderer Großgruppen und gesellschaftlichen Einrichtungen, Bürokratien usw. Innerkirchlich findet diese institutionenbedingte Weltfremdheit ihren Ausdruck in einem unpersönlichen kirchlichen Klima, in dem Seelsorge am einzelnen zurücktritt gegenüber bereichs- und themenbezogenen Aktivitäten. Aber von der Schwierigkeit, von der abstrakten, allgemeinen, „gesellschafdichen" Ebene zum einzelnen durchzustoßen, ganz abgesehen: auch die sach- und bereichsbezogene Problemnähe ist so groß nicht, wie es gelegentlich aussieht. Man kann zwar sagen, in unserer Gesellschaft sind Vorurteile soweit abgebaut, daß Kirchenver-

Termékadatok

Cím: Herder Korrespondenz Januar-Dezember 1986 [antikvár]
Szerző: David Seeber , Fritz Csoklich Nadja Simon
Kiadó: Herder GmbH & Co. KG
Kötés: Tűzött kötés
Méret: 210 mm x 300 mm
David Seeber művei
Fritz Csoklich művei
Nadja Simon művei
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