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AlJF DER SuCHE NACH DER ZuKUNllr Autoren dicscs Hefts: Thomas Hürlimann Petcr Höltschi Reto Hánny Alberto Venzago Liebe Leserin, lieber Leser, was falit uns nicht alles ein, wenn die Rede auf unseren Nachbarn Schweiz kommt: die musterhafte Demokraűe, in der das Volk selbst über kleinste Probleme abstimmen darf; der sichere Wohlstand, der dem Land aufgeráumte Stadte voll konsumfreundlicher Geseháfte beschert hat; die absolute Neutralitat, die Einmischung in fremde Angelegenheiten geradezu verbietet. Dazu noch eine wunderbare Natúr, die sommers griine Taler und vvinters weiBe Berge garantiert. Keine Sehweiz-Debatte aueh ohne den Hinweis auf das strikte Bankgeheimnis, das allén Auslandern die schaurig-schöne Illusion verheiBt, überschüssiges Geld vor dem heimisehen Finanzamt verstecken zu können. Ja, in unseren Köpfen scheint diese Schweiz ein ziemlieh einmaliges Paradies zu sein. Doch schaut man etwas genauer hinter die freundlieh verputzten Fassaden, dann offenbart sieh aueh ein ganz anderes Land: eines, das geschüttelt wird von ebenso ordináren Skandalen wie sie in Deutschland und anderen europaischen Landern seit Jahren auf der Tagesordnung stehen. Die Schweiz, sagen immer mehr Eidgenossen, steckt in einer Krise. tieferals je zuvor in dersiebenhundertjahrigen Geschichte des Landes. Selbst die zitierten Tugenden sind ihr zur Last geworden: Die Demokratie hat sich als Überwachungsstaat enttarnt, die Neutralitat ist zum Stolperstein auf dem Weg nach Európa geworden, sogar den Bergen miissen immer haufiger mit Hilfe von Schneekanonen weiBe Háubchen aufgesetzt werden. Eine Republik auf der Suche nach einer neuen Identitát. MERIAN versucht mit diesem Heft eine Bestandsaufnahme. Die meisten Autoren sind deshalb aueh Schweizer. Sie bringen intimé Kenntnisse und Urteile mit: Peter Höltschi und Reto Hánny, Thomas Hürlimann und Erwin Koch, Vincent Philippe und Andreas Bellasi, Adolf Muschg, Jean Ziegler und Michael Ringier. Wir habén ihre Argumente und Analysen, ihre Sorgen und Nöte geordnet und die ftir eine kontroverse Debatte notwendigen Stichworte in den Ring geworfen. Natürlich kommt aueh einer zu Wort, bei dem das Positive überwiegt: Johannes Mario Simmel, ein österrreichischer Biirger, der in Zug lebt und die Schweiz seit vielen Jahren zu seiner Wahlheimat erkoren hat. Und weil bei so viel realer Diskussion ein klassisches Titelbild das falsche Signal gewesen ware, habén wir den spontánén Cover-Vorschlag eines groBen Künstlers nur allzu gerne akzeptiert: Jean Tinguely aus Fribourg hat vom geliebten Schweizer Frankén die Helvetia kopiert und mit einem Fragezeichen versehen. Ein Titel dieser Art ist aueh für MERIAN eine ungewöhnliche Wahl. Auf der ersten Seite unseres Magazins kommen sonst Foto-Künstler zum Zuge. Am Telefon Rücksprache mit der Redaktion, aufdemTiseh der Aufmacher von Seite 102 dieses Hefts: Jean Tinguely gestaltetseineigenes Portrat