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Zum 100. Jahrgang von Petermanns Geographischen Mitteilungen
Mit diesem Heft beginnen Peterraanns Geographische Mitteilungen den hundertsten Jahrgang. Nur wenige wissenschaftliche Zeitschriften haben das vergangene Jahrhundert voller wissenschaftlicher Entwicklungen überdauert. Viele sind dem Wandel der Zielsetzungen, aber auch der äußeren Bedrohung wissenschaftlicher Arbeit zum Opfer gefallen. Das gibt Anlaß, Stellung und Bedeutung dieser international anerkannten Zeitschrift im Laufe der vergangenen hundert Jahre zu umreißen. Denn aus der Einsicht in die Situationen der Vergangenheit wächst die Erkenntnis der beständigen Grundlagen dieses wissenschaftlichen Organs. Sie enthüllt das GeTieimnis der unverwüstlichen Lebenskraft der Zeitschrift, die sieh zuletzt darin bewährte, daß Hermann Haack nach verhältnismäßig kurzer Unterbrechung nach dem Zusammenbruch Deutschlands die „Mitteilungen" mit Genehmigung der damaligen Sowjetischen Militär-Administration weiterführen konnte. Was es hieß, in diesen Nachkriegs-jahren die Linie der Zeitschrift zu halten, da die Forschungsarbeit der deutschen Geographen vielen Zufälligkeiten ausgesetzt war und sachliche Schwierigkeiten sich immer wieder auftürmten, können wir uns heute, wo die deutsche geographische Wissenschaft wieder vollen Anschluß an die internationale Geographie gewonnen hat, kaum noch vergegenwärtigen. Diese schweren Jahre zeigten aber auch die Treue und Anhänglichkeit der deutsehen Geographen an ihren „Petermann". Als im vergangenen Jahre Hermann Haack die Herausgabe der Zeitschrift in jüngere Hände legte, konnte ei' es mit dem Bewußtsein tun, durch seine Tatkraft und Umsicht Petermanns Geographische Mitteilungen am Leben erhalten zu haben. Nicht nur die deutsche geographische Wissensehaft hat ihm dafür Dank und Anerkennung gezollt. Der neue Herausgeber aber, der an der bisherigen Leistung noch kaum Anteil hat, darf und muß im Bewußtsein, welches stolze Erbe zu pflegen und weiterzuentwickeln ihm anvertraut ist, einen Rückblick auf die wesentlichsten Entwicklungsstadien geben und daraus Schlußfolgerungen für seine eigene Arbeit ableiten. Wohl haben A. Supan (1904) und P. Langhans (1929) kurze Berichte über die jeweils zurückliegenden fünfzig beziehungsweise fünfundzwanzig Jahre gegeben, auch hat N. Creulzburg bei Übernahme der Herausgeberschaft 1938 programmatische Bemerkungen gemacht, aber der Blick über ein volles Jahrhundert gestattet heute tiefere historische Einsichten und eine richtigere Beurteilung der Zeitströmungen, die auch in Petermanns Geographischen Mitteihmgen ihren Niederschlag gefunden haben.
Stärker als dies sonst bei wissenschaftlichen Zeitschriften der Fall ist, haben die „Mitteilungen" schon von Anfang an ein deutliches Profil und ein festes Programm gehabt. Schon E. Bchm hat beim Tode A. Petermanns darüber berichtet, und IV. Horn hat im ersten Heft 1955 der Zeitschrift die Zusammenhänge zwischen Heinrich Berghaus' Physikalischem Atlas und Petermanns Mitteilungen behandelt. Laufende Korrektur des Erdbildes in wissenschaftlicher Auffassung war von Anfang P. M. 1950, 1
an die Aufgabe der Zeitschrift. August Petermann gestaltete sie mit, der ihm eigenen Tatkraft zum zentralen Be-richtsorgan der geographischen Erforschung der Erde. Dazu trat aber noch eine Besonderheit. Basis der Verlagsarbeit war die Kartenherstellung. Alle geographische Erforschung mußte nach Auffassung von Verlag und Herausgeber in die kartographische Gestalt einmünden. Das setzte größte Exaktheit aller topographischen Angaben, aber auch in allen sonstigen Wissenschaftsgebieten das Arbeiten mit Maß und Zahl voraus.
Diese Dreiheit: dauernde Berichtigung des Erdbildes, laufende und rasche Berichterstattung, exakte Angaben und deron kartographische Dokumentation sind die Konstanten von Petermanns Geographischen Mitteilungen von Anfang an gewesen. Sie sind es — durch die Zeitumstände gewiß mannigfach modifiziert — auch geblieben. Auf ihnen beruht die Weltgeltung der Zeitschrift. Auch für die Zukunft ist die wissenschaftliche Haltung der „Mitteilungen" damit bestimmt.
Freilich waren diese Zielsetzungen im Laufe der hundertjährigen Entwicklung der geographischen Wissenschaft nicht immer in gleicher Weise zu verwirklichen.
Als Petermanns Geographische Mitteilungen 1855 unter dem Titel „Mittheilungen aus Justus Perthes' Geographischer Anstalt über wichtige neue Erforschungen auf dem Gesammtgebiete der Geographie von Dr. A. Petermann" — schon dieser Titel atmet den Geist seiner Zeit — erschienen, gab es nur sehr wenige wissenschaftliche Zeitschriften auf