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WIEN/OSTERREICH 72. Jahrgang Juli/August 1995 Heft 7/8 öS 12,-
druckte. Ich möchte als Kurator an dieser Stelle nochmals den vielen Helferinnen und Helfern danken, ohne deren Einsatz dieser Gemeindetag nicht durchführbar gewesen wäre. Was blieb nun vom dritten Reformierten Gemeindetag in Linz? Zunächst einmal der Stolz unserer kleinen Gemeinde, diese Großveranstaltung gut über die Bühne gebracht zu haben. Zum anderen die Freude über die Gäste aus ganz Österreich und das Bewußtsein, daß wir zusammengehören - ungarischsprachige Reformierte aus Oberwart, nur geographisch am Rande lebende Bregenzer, echte Wiener und Donauschwaben aus Linz.
Reformierter Gemeindetag
Linz, 15. bis 18. Juni 1995
Nach Vorarlberg und Wien lag es nahe, den 3. Reformierten Gemeindetag in Linz zu veranstalten, nicht nur wegen seiner Lage zwischen Ost und West, sondern auch wegen der Tatsache, daß durch den Neubau eines Gemeindesaales die Möglichkeit gegeben war, diese kleinste der neun reformierten Gemeinden dem reformierten Österreich näher bekanntzumachen. Linz ist eine Diasporagemeinde, und nicht zuletzt
deshalb wählte man für diesen Gemeindetag das Thema „Reformierte Lebensformen in der Diaspora". Eine breite Palette reformierter Lebensformen, angefangen vom Thema Widerstand, über bildende Kunst in einer bildlosen Kirche bis hin zur Flüchtlingsarbeit und zur Beziehung zwischen Calvinismus und Kapitalismus, wurde in Vorträgen, Diskussionen und einer Exkursion zum Schloß Schwertberg behandelt. Dieses Schloß
beheimatete im 17. Jahrhundert den protestantischen Grafen Tschernembl, einen Widerstandskopf gegen das Haus Habsburg. Nicht zu kurz kamen auch auflockernde Stunden mit reformiertem Kabarett, einem literarischen Abend und Auftritten der Oberwarter Volkstanzgruppe und des Oberwarter Chores. Nicht zu vergessen die vielen Möglichkeiten des gegenseitigen Kennenlernens in einer Atmosphäre, die alle beein-
Der Kreis der Besucher zeigte deutlich das dicke reformierte Bilderbuch, von dem LSI Pfr. Kamer in seiner Festpredigt sprach: Kabarettisten, die nichts und niemanden schonten, einfache Leute, die stolz sind auf das eigene Haus, und kluge Theologen, die die Modernität reformierten Glaubens wissenschaftlich nachweisen konnten.
Das ist gerade das reformierte Proprium, daß in unserer reformierten Kirche Platz ist für die Verschiedenartigkeit, ein Kosmos im kleinen, versehen mit einem Schuß Selbstkritik und Witz, mithin ein gastfreundliches Haus mit Zimmern für viele verschiedene Wünsche.
KURATOR MAG. HEINRICH BENZ
REFORMIERTES KIRCHENBLÄIT