Bővebb ismertető
Wien/Österreich
81. Jg.
Juli/August 2004
Heft 7/8
Euro 1,10
REFORMIERTES KIRCHENBLATT
Heinrich Bullinger - Jubiläumsnummer
Der Erfinder von H.B. wurde vor 500 Jahren geboren
Heinrich Bullinger stand immer im Schatten der großen Reformatoren Zwingli, Luther und Calvin. Das aber ganz zu unrecht. Seine Bedeutung reichte weit über die Grenzen der Schweiz hinaus, und er hat die reformierte Kirche in Österreich maßgeblich geprägt. Wir wollen den Nachfolger Zwingiis in Zürich unseren Lesern und Leserinnen vorstellen als großen Gelehrten, Theologen, Prediger, Diplomaten und Vater des modernen Journalismus.
LEBENSDATEN
1504 geboren in Bremgarten (heute Kanton Aargau) 1516-1519 Besuch in der Stiftsschule in Emmerich 1519-1522 Studium in Köln und Hinwendung zur Reformation ab 1523 Lehrer im Zisterzienserkloster Kappel
Freundschaft mit Zwingli 1529 Heirat mit Anna Adlischwyler 1529-1531 Prediger und Pfarrer in Bremgarten 1531-1575 Vorsteher der Zürcher Kirche
Beinahe hätte Heinrich Bullinger während seiner Kölner Studienzeit die Mönchsgelübde abgelegt. Aber es gelang ihm auch so, Lehrer an der Klosterschule in Kappel - dem Ort, an dem die Schweizer Reformation militärisch scheiterte -zu werden und sein persönliches Wirken für das Evangelium zu beginnen. Die Berufung Heinrich Bullingers
nach Zürich als Zwingiis Nachfolger machte ihn zum Retter der Schweizer Reformation und ließ ihn zu einer Autorität der europäischen Reformation werden. Sein Wirken in Zürich und der gesamten Schweiz sowie sein Einfluss auf Reformer und Reformatoren in ganz Europa, von dem ein umfangreicher heute noch erhaltener Briefwechsel zeugt, machten
ihn zum Begründer der reformierten Kirchen. Er schrieb und vervielfältigte Briefe wie Zeitungen zum Informationsaustausch der Mitstreiter und Freunde. Das ursprünglich als persönliches Vermächtnis geschriebene „Zweite Helvetische Bekenntnis" musste er bereits zu Lebzeiten veröffentlichen. Der pfälzische Kurfürst Friedrich III. forderte es von ihm an, um damit auf dem Augsburger Reichstag von 1566 die Reformierten zu verteidigen. Sie standen nicht unter dem Schutz des Augsburger Bekenntnisses. Mit Bullingers Bekenntnis gelang eine vorläufige Tolerierung, die 1648 im Westfälischen Frieden zur Anerkennung führte. Die staatsrechtliche Titulierung der Reformierten in Österreich - seit dem Toleranzpatent von Joseph II. - als „Angehörige der Helvetischen Konfession" ist durchaus hi-
storisch und sachlich korrekt. Denn dieses Bekenntnis Bullingers hat in Folge die Weiterentwicklung der mit Luther, Zwingli und Calvin begonnenen Reformation entscheidend geprägt. Das gilt auch für die Schweiz selbst. Bullinger gelang die Einigung mit Calvin. Das betraf die Länder östlich der Schweiz, insbesondere den ungarischen Sprachraum und natürlich Österreich, nördlich die deutschen Länder und Polen, aber auch die Niederlande und England, um nur einige zu nennen.
JOHANNES LANCHOFF Cemeindepfarrer in Wien, Innere Stadt
Allen Leserinnen und Lesern eine schöne und gesegnete Sommerzeit Die Redaktion