Bővebb ismertető
INHALTSVERZEICHNIS
Seite
Die Religion der Religionslosen 1
Heidelberger Wirkungsgeschichte 2
Reformierter Frauentag 2013 3
Märchen - Schadstoff oder wertvoll? 4-5
Gottesdienste und Veranstaltungen 6-7
Lange Nacht der Kirchen - Programm 8
dorothea / Tagesordnung 16. Synode H.B. 9
Religion im Radio / fit4fun Sommerfreizeit 10
Buchrezension und Ausstellungshinweis 11
Andacht 12
Wien/Österreich
Mai 2013 Heft 5/2013 Euro U0
Reformiertes KirchenB att
Die Religion der Religionslosen
In den letzten Monaten macht sich auch in unserem Land eine zunehmend aggressiver werdende Stimmung gegen Kirchen und andere Religionsgemeinschaften breit, die sich vor allem durch Ignoranz und Inkompetenz auszeichnet und in der Forderung gipfelt, auch die Religionslosen sollten als Religionsgemeinschaft anerkannt werden. Das ist so sinnvoll, wie einer Partei der NichtWähler oder Weißwähler Parlamentsmandate zuzuerkennen. Analog dazu könnten auch Vegetarier fordern, in die Zunft der Fleischhauer aufgenommen zu werden.
Es soll jedem Menschen unbenommen sein, Kirche und Religion zu kritisieren oder abzulehnen oder auch eine strikte Trennung zwischen Religion und Staat zu fordern. Das sollte aber nicht zu Intoleranz und Feindseligkeit fuhren. Das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien war nur der Höhepunkt einer religionsfeindlichen Entwicklung, die schon vor einigen Jahren begann. Es ist schon eine Ironie, dass sich diese Stimmen in einer Zeit zu Wort melden, in der die Kirchen schon längst ihre Sonderstellung verloren haben. Es hat den Anschein, als würden die religionslosen Gruppen Kirchen und andere Religionsgemeinschaften für all das bestrafen und zur Rechenschaft ziehen zu wollen, was sie in der Vergangenheit verbrochen haben. Wenn man sich die Argumente der Religionsfeinde anhört, so könnte man meinen, die Kirche sei noch immer im finsteren Mittelalter und verfuge über ungeheure Macht
und Vermögen und hätte ein fundamentalistisches Bibelverständnis. Natürlich kann man sich aus allen Religionen die größten Grausamkeiten, Perversionen und Unsinnigkeiten heraussuchen und daraus ein düsteres und erschreckendes Bild von Religion konstruieren. Der Religion gerecht wird das nicht.
Es ist fest komisch, welch missionarischen Eifer erklärte Atheisten an den Tag legen, um zu beweisen, dass es Gott nicht gäbe, dass er eine Erfindung des Menschen sei, und dass Glaube und Religion diametral zu Vernunft und Verstand wären. Es ist schwer zu diskutieren mit jemandem, der Schaum vor dem Mund hat, und man weiß ja gar nicht, wo man mit der Diskussion anfangen soll: Bei den falschen Behauptungen, dass Kirchen und andere Religionsgemeinschaften privilegiert seien, oder bei dem Vorwurf der Demokratiegefahrdung.
Die Religionsgemeinschaften haben keinen Grund, sich in die Defensive drängen zu lassen. Unsere Kirche bekennt sich schließlich zum pluralistischen Staat, in dem Religionsgemeinschaften Mitspieler von vielen sind. Wir wollen unsere religiösen Werte in die Gesellschaft einbringen, nicht um anderen etwas aufzuzwingen, nicht weil Kirchen die Wahrheit fiir sich beanspruchen, sondern weil wir bestimmte religiöse Werte für der Gesellschaft dienlich halten. Kirchen beziehen ihre Glaubwürdigkeit im Einsatz fiir Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, im solida-
rischen Verhalten, in der Unterstützung der Schwachen und derer, die an den Rand gedrängt werden. Bei all dem, was in Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften an Problematischem existiert — sie besteht auch nur aus Menschen — setzen sie einen Kontrapunkt zu einer unmenschlichen Ideologie der Profitma-ximierung und Ausbeutung von Mensch und Natur. Gebe es diese Stimmen nicht mehr, würde auch ein Stück Humanität verloren gehen. Nicht, dass sich die Humanität nur in der Religion findet, das wäre eine dumme Anmaßung, wer aber genau schaut und hört, wofür sich die evangelischen Kirchen, aber auch andere Religionsgemeinschaften, stark gemacht haben, der wird diese Stimmen nicht vermissen wollen. Und all jene, die sich fiir Menschenrechte, fiir eine Alternative zum herrschenden Neoliberalismus einsetzen, sollten Kirchen nicht als Feinde sondern als Partner sehen. Unsere Reformierte Kirche maßt sich keine Vorrangstellung an, sondern ist bestrebt, mit allen wohlmeinenden Kräften im Land zusammenzuarbeiten, seien sie religiöser oder nicht-religiöser Natur. Es gibt so viele Bereiche, wo es notwendig wäre, an einem Strang zu ziehen: sei es beim Einsatz für ein friedliches Zusammenleben der verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen, sei es im Bestreben nach sozialem Zusammenhalt. Die religiöse oder gar chrisdiche Motivation sollte bei dieser Zusammenarbeit kein Hindernis sein.
THOMAS HENNEFELD ¦