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WIEN/ÖSTERREICH 72. Jahrgang Oktober 1995 Heft 10 öS 12,-
REFORMIERTES KIRCHENBIATT
Hoffnung und Erneuerung in Zeiten des Umbruchs
Europäische Gebietsversammlung des Reformierten Weltbundes Edinburghl 28. 8.-3. 9. 1995
Vermutlich hätte der legendäre Herr Karl auch hier die berühmte Frage geäußert: „Reformierter Weltbund -Was brauch 'ma des?" Ohne Zweifel ist die Abhaltung solcher internationalen Zusammenkünfte schwer in eine „Kosten-Nutzen-Rechnung" einzugliedern. Ziel dieser einwöchigen Versammlung war es, einander als Reformierte etwas näher zu kommen, die Sorgen und Nöte der einzelnen Kirchen miteinander zu teilen, gemeinsam Richtlinien für die Zukunft zu entwickeln, vor allem im Kontext des Europa von heute. Die Werte von derlei Begegnungen lassen sich nur aus den Konsequenzen ablesen. Der Reformierte Weltbund (RWB) war besonders in den 80er Jahren ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gerückt, als er die Apartheid Südafrikas offiziell als „sündhaft" bezeichnete und damit zur Bekenntnisfrage, zum „sta-tus confessionis", machte.
Mit dieser Beurteilung stärkte er die internationale Solidarität für die unterdrückte Bevölkerung Südafrikas.
Status confessionis '95 -Die neue „Gretchenfrage"?
Wie wirkt sich die Bekenntnisfrage für die Reformierten weltweit heute aus? Milan Opocensky, Generalsekretär des RWB, versuchte in seinem Grundsatzreferat die wichtigsten Kriterien für den „status confessionis" festzuhalten. Dabei ist ihm die Überprüfung am Evangelium und die Selbstverpflichtung der Kirchen besonders wichtig. Er nennt Themen wie: Rassismus, Herstellung von Waffen und Massenvernichtungsmitteln, Geschlechterrollen (- es gibt z.B. noch Reformierte Kirchen in Europa, die keine Frauenordination zulassen!), ökonomische (Un)Gerechtigkeit, Verantwortung für die Umwelt; sie alle sollten aus dem Blick-
Evelyn Martin - zur Vizepräsidentin der Europäischen Gebietsversammlung gewählt
Winkel des „status confessionis" behandelt werden. Opocensky sieht Chancen Europa in eine tolerante multikulturelle und multireligiöse Gesellschaft zu verwandeln, die auf Partnerschaft beruht und in Frieden mit der Schöpfung existiert. Die Mitwirkung der Kirchen an dieser Vision ist-jedoch unerläßlich.
Zeiten des Umbruchs
Edinburgh '95 fand als Nachfolgekonferenz von Wien '87 statt. Die gravierenden Veränderungen in Europa seitdem haben auch für die Reformierten Kirchen nicht nur positive Veränderungen mit sich gebracht.
Aktuelle Themen wurden in den Arbeitsgruppen der Delegierten behandelt: „Reformierte Identität", „Ekklesiolo-gie", „Glaube und Ökono-
mie", „Gemeinschaft von Frauen und Männern in der Kirche", „Minderheitenschutz in Mittel- und Osteuropa", „Christliche Erwachsenenbildung". Daraus ergaben sich verschiedene Schwerpunkte, die sich teilweise in Resolutionen niederschlugen:
- Die europäischen Mitgliedskirchen des RWB werden aufgefordert, sich bei ihren Regierungen speziell für die Minderheitenrechte der Sinti und Roma einzusetzen.
- Mit Nachdruck werden die Atomwaffentests Chinas und besonders Frankreichs verurteilt, die „eine territoriale Verletzung der Völker im Pazifik darstellt. Sie bedeutet einen Rückschritt in der Suche nach einer friedlichen atomfreien Zukunft für die Welt und ein Verbrechen gegen die Unantastbarkeit der Schöpfung Gottes".
- Minderheitenrechte in Mittel- und Osteuropa: Die Generalversammlung verurteilt
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INHALT: Seite 1 und 2: Reformierter Weltbund. Seite 2 und 3: Einheit der Kirchen. Seite 4 und 9: Pfr. Wenzl 75. Seite 5 bis 8: Sonderteil zur Synode. Seite 10 und 11: Gottesdienste und Veranstaltungen.
Seite 12: Atombombentests.