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Furcht war die erste Empfindung, die die Elektrizität im Menschen wachrief. Das war, als er zum erstenmal eine hohe Fichte unter der Wucht der elektrischen Entladung zersplittern sah. bpater lernte er, die Elektrizität in ganz kleiner Dosierung selbst zu erzeugen und mit ihr physikalische
Bild 1 Aus dem Kurbelinduktor mit Stahlmagnelen (links) ist durch Umbau die erste Dynamomaschine von Werner Siemens (rechts) entstanden
Spielereien zu treiben mit Bernsteinstückchen, Glasstangen und Holundermarkkügelchen. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist der Mensch mit der Elektrizität, zwar nicht mit ihrem Wesen, wohl aber mit ihren Wirkungen, so weit vertraut, daß er ihr kleine Dienstleistungen übertragen kann. Es entstehen die ersten Anfänge der elektrischen Nachrichtenübermittlung und der Galvanotechnik. Erst dann gelingt es, etwas tiefer in das Wesen dieser rätselvollen Naturkraft einzudringen, Gesetze für sie aufzustellen und sie zu messen. Die weitere Entwicklung der angewandten Elektrizitätslehre —
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Bild 2 Kleine Minenzündmaschine vo/i 1867: Erste praktische Anwendung des dYnamo-elektrischen Prinzips
SO nannte man in seinen Anfängen das Gebiet, das wir heute nach dem Vorgange von Werner Siemens als Elektrotechnik bezeichnen — vollzog sich im wesentlichen auf dem Gebiet der Télégraphié.
Erst vor drei Vierteljahrhunderten wurde die Vorbedingung für die Erzeugung und Verwendung starker Ströme geschaffen. Man muß versuchen sich klar zu machen, daß es bis zum Jahre 1866 praktisch noch keine elektrische Beleuchtung und keinerlei elektrische Antriebe gab, um zu verstehen, welch umstürzlerischen Fortschritte die Entdeckung des dynamo-elektrischen Prinzips und die Erfindung der Dynamomaschine durch Werner Siemens im Herbst des Jahres 1866 bedeutete.
Zwar hatte man schon vorher versucht, starke elektrische Ströme zu erzeugen und dem Menschen dienstbar zu machen. Man war aber dabei kaum aus den vier Wänden des Laboratoriums herausgekommen, und die wenigen praktischen Versuche waren gescheitert. Mußte man sich doch mit dem begnügen, was sich durch die Anhäufung einer großen Zahl von galvanischen Elementen oder durch die Anwendung einer großen Zahl von unzuverlässigen Hufeisenmagneten in großen sogenannten magnetelektrischen Maschinen erzielen ließ. Erst mit der Dynamomaschine wurde es möglich, überall und stets auf zuverlässige Weise starke elektrische Ströme zur Verfügung zu haben. Die Voraussage, mit
der Werner Siemens die Bekanntgabe seiner Entdeckung vor der Berliner Akademie der Wissenschaften am 17. Januar 1867 schloß, ist durch die Entwicklung der elektrischen Maschinen vom Jahre 1866 bis heute in einem von ihm selbst kaum vorgesehenen Maße in Erfüllung gegangen.
Er schrieb damals: „Der Technik sind gegenwärtig die Mittel gegeben, elektrische Ströme von unbegrenzter Stärke auf billige undbe-queme Weise überall da zu Bild 3 Gleichstrommaschine Modell T. Konstruktion von Friedrich von Hefner-AUeneck
erzeugen, wo Arbeitskraft disponibel ist. Diese Tatsache wird auf mehreren Gebieten derselben von wesentlicher Bedeutung werden."
Über den Gedankengang, der Werner Siemens zu seiner Entdeckung führte, und über die Entstehung der ersten Dynamomaschine aus einem Kurbelinduktor mit Stahlmagneten (Bild 1) ist schon oft berichtet worden*). Es sei daher nur wiedergegeben, was er selbst in seinen „Lebenserinnerungen"**) darüber sagt: ,,Bereits im Herbst des Jahres 1866, als ich bemüht war, die elek-
*) Vpl. auch Heintzenberg. „Die GcburUstundc der Dyiiamomaseliinc". Anschluß 1930, Heft 1, S. 3, und „Zum 70. Geburtstag der DynamomHschine", ADsehluß 1937, Heft 2, S. .35.
**) ,,Lebensprinn(>rungrn" \ Julius Springi-r, 1938.
13. Auflage, Btrlin,
Gleichstrommaschine Modell H (Hufeisentype)