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Wien ist nicht umzubringen
Ein großer Teil des Vergnügens, Wiener zu sein, beruht offenbar auf dem Nachdenken darüber, worin denn dieses Vergnügen eigentlich besteht. Diesem Nachdenken verdanken die meisten Bücher ihr Dasein, auf deren Titelblatt das Wort »Wien « prangt. Auch dieses hier. Trotzdem besteht nicht die Gefahr, daß die Rätsel um das Wesen dieser Stadt und ihrer Bewohner etwa demnächst endgültig gelöst würden und darm keine neuen Wien-Bücher mehr erscheinen könnten. Dazu ist diese Stadt viel zu komplex, gefallen sich ihre Bürger viel zu sehr in ihren Paradoxien. Es wird also auch weiterhin einiges Kopfzerbrechen nötig sein, um herauszufinden, was denn Besonderes an dieser Stadt sei und wodurch sie sich nicht nur von anderen unterscheide, sondern auch von den acht Bundesländem, mit denen gemeinsam sie die österreichische Republik bildet. Denn Wien ist zwar die Hauptstadt von Österreich, in seiner Wesensart aber doch stark unterschieden von Regionen wie Tirol oder Kärnten. Seit es die Alpenrepublik gibt (also seit 1918), hat man in ihr entschlossen das Gemeinsame beiseite geschoben und das Trennende hochgehalten. Damals, nach dem Untergang der Donaumonarchie, sprach man in den eher agrarischen Ländern gerne vom »Wasserkopf Wien«, den man von einem 50-Millionen-Staat geerbt hatte und den nun ein y-MiUionen-Staat ernähren sollte. Davon ist nicht mehr die Rede, seit die Emährungssorgen verschwunden sind und den Überemährungssorgen Platz gemacht haben. Aber in ganz Österreich lebt man ja in fröhlichem Föderalismus und ist stolz auf die jeweilige Eigenart, die natürlich in Salzburg eine andere ist als in der Steiermark Daß man in Vorarlberg sogar schon einmal den Arl-bergtunnel sprengen wollte, um von »Hinterösten-eich« (noch) gründlicher getrennt zu sein. Hegt schon eine Weile zurück, und neuerdings baut man sogar einen zweiten. Das Burgenland hingegen, das östlichste Bundesland, hat sich, seit es von Ungarn zu