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ALFRED DUNSHIRN / WIEN Zur Rede des Alkibiades in Piatons ,Symposion',Warum huldigest du, heiliger Sokrates,Diesem Jünglinge stets? kennest du Größers nicht?Warum siehet mit Liebe,Wie auf Götter, dein Aug' auf ihn?'Wer das Tiefste gedacht, liebt das Lebendigste,Hohe Jugend versteht, wer in die Welt geblikt,Und es neigen die WeisenOft am Ende zu Schönem sich.1Immer wieder wird das ,Symposion' als das größte Kunstwerk Piatons bezeichnet,2 und immer wieder wird gesagt, dass die Größe eines Kunstwerks durch die Harmonie seiner Teile bestimmt ist. Nun bemühen sich, wie mir scheint, in letzter Zeit viele derer, die sich mit dem ,Symposion' auseinandersetzen, vor allem hinsichtlich der Alkibiadesrede zu wenig um das Aufzeigen des kunstvollen Aufbaus dieses Werkes. Zu stark wird betont, dass Alkibiades Sokrates missverstehe, oder dass durch seinen Auftritt eine gänzlich vom philosophischen Leben wegführende Alternative dargestellt werde.3 Zu wenig wird dasjenige hervorgehoben, worauf die älteren Arbeiten zum ,Symposion' durchwegs hinweisen, nämlich die Tatsache, dass in dieser Abschlussrede viele der Themen, die in den davor gehaltenen Reden1 F. Hölderlin, Sokrates und Alcibiades, in: Sämtliche Werke und Briefe, Bd. 1, hrsg. von M. Knaupp, München 1992, 196.~ A. Hug meint sogar, dass das .Symposion' wohl die hervorragendste künstlerische Ixistung ist, welche die griechische Prosa aufzuweisen hat." (Piatons ausgewählte Schriften. Für den Schulgebrauch erklärt von Ch. Cron und J. Deuschle. Fünfter Teil: Symposion, erklärt von A. Hug, besorgt von H. Schöne, Leipzig-Berlin 31909, XVII).Vgl. etwa M. C. Nussbaum, The Fragility of Goodness. Luck and Ethics in Greek Tragedy and Philosophy, Cambridge 1986; A. W. Nightingale, The Folly of Praise: Plato's Critique of Encomiastic Discourse in the Lysis and Symposium, Classical Quarterly 43 (1993), 112ff.; W. Detel, Macht, Moral, Wissen: Foucault und die klassische Antike, Frankfurt a. M. 1998, 236ff.