Bővebb ismertető
Heinz Schott
Árztliche Ausbildung in historischer Perspektive
Seit über zwanzig Jahren erieben wir in der Bundesrepublik Deutschland eine permanente Krise der árztlichen Ausbildung. »Massenuniversitát«, »Praxisferne«, »Arzteschwemme«, »Scheinstudium«, »Prüfungsdruck« sind inzwischen zu geláufigen Stichwörtern geworden, um die Misere zu beschreiben und z. T. zu erklaren. Ausgerechnet das Inkrafittreten der neuen Approbationsordnung für Árzte (AppOÁ) im Jahr 1970, die vor allém den praxis-bezogenen Gruppenunterricht (»bedside teaching«) in das Medizinstudium einführen, neue Disziplinen wie Allgemeinmedizin und Psychosomatik in den Facherkanon integrie-ren und ein »objektives« schriftliches Prüfungssystem (»multiple choice«) vorschreiben sollte, markiért ziemlich genau den Beginn der besagten Krise.
Gesetzesnovellierungen, begleitet von Diskussionszirkeln und Gremien vom »Murr-hardter Kreis« bis hin zum Wissenschafitsrat, versuchten, Verbesserungen durchzusetzen, bislang jedoch ohne spürbaren Erfolg. Die jüngst vom Bundesgesundheitsminister in Aus-sicht gestellte Reform des Medizinstudiums greift z. T. altbekannte Vorschláge auf: Von der drastischen Reduktion der Anzahl der Studierenden bis hin zur Aufhebung der viel-geschmáhten Trennung von vorklinischem und klinischem Studienabschnitt. Die Zauber-wörter heiBen wiederum »Praxisnahe«, »Patientenorientierung«, »Gruppenunterricht« etc. Die Reform wird wohl wiederum von oben nach untén auf dem Gesetzgebungs- und Ver-ordnungsweg den einzelnen Fakultáten übergestülpt - trotz gegenteiliger Beteuerungen. Schon jetzt zeichnet sich ab, daB ein solches Vorhaben wohl in den meisten Fakultaién mehrheitlich auf wenig Gegenliebe stöBt. Denn das jahrzehntelange »Herumdoktern« an Zulassungsbestimmungen, Studien- und Prüfungsordnungen über den Kopf der einzelnen Fakultáten hinweg führte zur gründlichen Resignation der Hochschullehrer. In ihrem neu-erlichen Reformeifer meinen die Promotoren wieder einmal, auf die breite Zustimmung der Betroffenen vor Ort verzichten zu können.
An welchen Leitbildern richten unsere Zukunftsplaner ihre Entwürfe aus? Worauf gründen sie ihre Zielsetzungen? Wohl kaum auf einer historischen Analyse der árztlichen Ausbildung! Was z. B. der Wissenschafitsrat in seinen Leitlinien von 1992 auf vier Seiten (der insgesamt 88 Seiten langen Broschüre) als »historischen Rückblick« voranstellt, er-schöpfit sich in einer Aufzahlung der formalen Eckdaten, welche sich gánzlich auf die deut-sche Situation wahrend der letzten 120 Jahre beschránken. Offenbar erscheint - angesichts des erstrebten »Paradigmenwechsels« der Arztausbildung - eine tiefergehende Auseinan-dersetzung mit deren Geschichte für die hochschul- und berufspolitische Diskussion irre-levant. Im folgenden möchte ich jedoch aufzeigen, wie historische Reflexionen auf schwer-wiegende Defizite in der aktuellen Ausbildungsdiskussion verweisen können.
1. Árzte als Schriftgelehrte
Soweit wir historisch zurückblicken können, begann die Medizin als wissenschaftliche Heilkunde in dem Moment, wo ihre Inhalte - wie die anderer kultureller Bereiche -