Bővebb ismertető
Úrban WiesingWarum Yerantwortung?Einige Anmerkungen zum allzuháufigen Gebrauch eines Begriffes*In der jüngeren Diskussion zur Ethik ist wohl kaum ein Begriffháufiger anzutreffen als der der Verantwortung. Dabei scheint dieser Begriff nicht etwa einen nebensáchlichen Stel-lenwert einzunehmen, sondern das Ideál von Morál schlechthin zu verkörpern: verant-wortlich handeln bedeutet - zumeist unbesehen und unbefragt - moralisch richtig han-deln. Bedenkt man ferner, daB dieser Begriff die Aufmerksamkeit noch gar nicht so lange auf sich zieht und einen zentralen moralphilosophischen Stellenwert allenfalls seit wenigen Jahrzehnten einnimmt, so kann es schon überraschen, wie Verantwortung binnen kur-zer Zeit zu einem neuen Grundwort unserer Sprache' werden konnte. Doch die Quan-titát des Gebrauchs muB nicht unbedingt mit der Qualitát einhergehen: Mit der infla-tionáren Verwendung háufen sich wenig durchdachte und zuweilen unsinnige Aussagen über Verantwortung. Die Unbestimmtheit des Begriffes wiederum erlaubt, ja verstárkt den weitláufigen Gebrauch, der in eine Verantwortungsrhetorik abzugleiten droht, bei der die Háufigkeit des Begriffes mit seiner Prázision und Aussagekraft kontrastiert. Weil der Aus-druck >Verantwortung< zur intellektuellen Mode geworden ist, droht eine Unschárfe, die es erlaubt, fast jeden für alles verantwortlich zu machen.2Der nachfolgende Aufsatz will dieser Entwicklung mit Verweisen auf die medizinethi-sche Diskussion nachgehen. Warum spricht kaum jemand von árztlichen Pflichten? Warum führt ein GroBteil medizinethischer Publikationen statt dessen den Begriff Ver-antwortung im Titel, auch wenn der nachfolgend publizierte Inhalt zuweilen über ganz anderes handelt? Welche moralphilosophischen Vorteile impliziert der Begriff Verant-wortung?1. Bedingungen und Voraussetzungen fúr die VerantwortungsdiskussionBei einem Überblick zur moralphilosophischen Diskussion um die Verantwortung láBt sich zunáchst einmal die simple Erkenntnis festhalten: Die eine Verantwortungsethik gibt es nicht - statt dessen eine Vielfalt unterschiedlich systematischer Entwürfe. Doch trotz al-ler Verschiedenheit sind Gemeinsamkeiten und stets wiederkehrende Momente in der Diskussion um Verantwortung zu erkennen. So werden im wesentlichen zwei Bedingungen für die florierende Verantwortungsdiskussion angeführt:- Der Mensch kann mehr. Die EinfluBmöglichkeiten auf die Welt habén sich qualitativ und quantitativ rasch erweitert; Wissenschaft und Technik habén die Handlungsstrukturen in ihrer Komplexitát verándert und die Handlungsfolgen über den unmittelbaren Hand-lungsbereich hinaus so weit wachsen lassen, daB sie unabhángig von den intendierten Zielen die Grundlagen menschlicher Existenz auf der Erde gefáhrden. Das Wissen um