Bővebb ismertető
Gerechtigkeit oder Fürsorglichkeit?
Konzeptionelle Probleme und klinische Implikationen der »Ethics of Care«*
0. Einleitung und Problemstellung
1982 kritisierte die amerikanischen Entwicklungspsychologin Carol Gilligan in ihrer epo-chemachenden Untersuchung In a different voice (deutsch: Die andere Síimmé) die einsei-tig mánnliche Sichtweise psychologischer Moralentwicklung und von Ethik überhaupt. Sie argumentierte, dafi Mádchen und Frauen moralische Entscheidungen nach anderen Kri-terien fállen als Mánner, weil sie eine andere moralpsychologische Entwicklung durchlau-fen. Wáhrend Entwicklungspsychologen wie Piaget und Kohlberg die »mánnliche« Moralentwicklung zu Werten wie Gerechtigkeit und Unparteilichkeit zum generellen Mafistab erhoben (Kohlberg 1981), untersuchte Gilligan gezielt Mádchen und Frauen und zeigte, wie sich eine typische weibliche moralische Orientierung und Entwicklung von einer ty-pisch mánnlichen Morál unterscheidet (Gilligan 1982, 1987):
lm Gegensatz zu Jungen reagieren nach Gilligan Mádchen auf moralische Probleme »in a different voice«. Wáhrend Mánner ethische Konflikte als Gerechtigkeitsprobleme zwischen autonomen Individuen sehen, fokussieren Frauen auf die persönliche Beziehung und die Bedürfnisse der Beteiligten. Zwischenmenschliche Beziehungen werden von Mán-nern typischerweise als ein Vertragsverháltnis behandelt, wáhrend Frauen sie im Kontext individueller Gegebenheiten als persönliche Verháltnisse wie in einer Familie betrachten würden. Aus der reichhaltigen und wichtigen Erfahrung als Frau und Mutter sei der weibliche Zugang zu moralischen Problemen durch Fürsorge, Mitgeftihl und emotionale An-teilnahme geprágt, wáhrend Mánner abstrakt in Form von rationalen und allgemeingülti-gen Rechten, Pflichten, Gesetzen, Hierarchien und Spielregeln denken würden. Autonome Individuen stehen in einem Vertragsverháltnis zueinander, was unparteilich und objektív die Interessenskonflikte gerecht regeit. Gilligan konfrontiert die »traditionelle, mánnliche« Ethik von Abstraktion, Allgemeingültigkeit, Unparteilichkeit, Gerechtigkeit, Vertraglich-keit, Wettbewerb, Gewalt und Machen mit einer »neuen, weiblichen« Ethik des individu-ellen, konkrétén, zwischenmenschlichen, subjektiven, parteilichen, mitfühlenden, pflegen-den und fursorglichen Handelns. Damit fordert sie die traditionelle Philosophie auf zwei Ebenen heraus. Erstens entlarvt sie die sich geschlechtsneutral gebárdende traditionelle Ethik der Mánner als einseitig und ignorant, weil diese die weibliche Sichtweise ausklam-mere. Statt dessen versucht sie eine »weibliche« Perspektive von Ethik und moralischer Entwicklung aufzuzeigen, die der mánnlichen Perspektive gleichwertig sein soll. Zweitens bezweifelt sie die Adáquatheit der herrschenden, »mánnlichen« Gerechtigkeitsethik (Ethics ofJustice) und stellt ihr die Ethics of Care gegenüber.
Andere Autorinnen griffen Gilligans Ansatz auf und entwickelten ihn weiter. Nel Nod-dings (1984) verbindet die Care-Perspektive mit traditionellen Aufgaben von Frauen, alsó