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EINLEITUNGIndien ein Land der Wunder oder eine moderne Großmacht, das sind Auffassungen, die sich oft gegenüberstehen.Die einen denken dabei an ein Land der Maharadschas und Tempeltänzerinnen, an Hinduheilige und Fakire, an Schlangenbeschwörer und den Strom der Ströme, den Ganges.Die anderen erklären diese Vorstellung als mystisch-verschwommenes Bild der Vergangenheit. Sie denken an die reichen Bodenschätze des Landes, an die Geschicklichkeit der Handwerker und an die Rolle, die Indien heute schon in der Weltpolitik spielt. Zwei Auffassungen zwei Welten. Was ist Indien heute ?Es ist für einen Europäer schwer, eine Vorstellung von den unermeßlichen Weiten dieses Landes zu gewinnen. Indien ist mit seinen 3,3 Millionen Quadratkilometern das siebentgrößte Land der Erde. Es ist dreizehnmal so groß wie Großbritannien und neunmal so groß wie Gesamtdeutschland. Was die Dimensionen betrifft, könnte man deshalb schon beinahe von einem Kontinent sprechen. Auch im Hinblick auf die Bevölkerungszahl ist ein solcher Vergleich gerechtfertigt, denn mit 360 Millionen Einwohnern steht Indien hinter China an zweiter Stelle in der Welt. Die Verteilung der Bewohner auf die einzelnen Gebiete ist aber außerordentlich ungleichmäßig, so daß die mittlere Bevölkerungsdichte von 122 Einwohnern auf den Quadratkilometer noch wenig sagt. In der nordindischen Tiefebene und den Küstengebieten drängen sich die Menschen außerordentlich dicht zusammen, wogegen andere Teile, wie die Himalaja-Regionen, die Wüstengebiete und Zentralindien, nur schwach besiedelt sind. Indien ist auch in dieser Beziehung ein außergewöhnliches Land, ein Land der Gegensätze.Die geographische Gliederung ist einfach und übersichtlich. Im Norden: Das Himalaja-Massiv. Darunter: Die nordindische Tiefebene mit dem Gangestal. Und der übrige Teil, das große Dreieck, das weit ins Meer hineinragt, wird vom Hochland von Dekkan eingenommen. Aus diesem Hochplateau heben sich zwei Gebirgszüge heraus, die Ost- und Westghats, die entlang der ganzen Küste verlaufen.Das Klima ist überwiegend tropisch, obwohl Indien ungefähr zur Hälfte in der gemäßigten Zone liegt. Das Himalaja-Gebirge schützt das ganze Gebiet vor den kalten Nordwinden. So beträgt, um nur ein Beispiel zu nennen, in Madras die Durchschnittstemperatur für den Wintermonat Januar 24 Grad.Die Wärme und die fruchtbaren Böden bieten gute Voraussetzungen für die Landwirtschaft, ermöglichen zwei bis drei Ernten im Jahr. Aber das heißt noch nicht, daß die Erträge auch reich sind. Das Schicksal der Bauern hängt vielmehr von dem rechtzeitigen Eintreffen des Monsunregens ab. Angezogen von dem Hochdruckgebiet des Festlandes wehen regelmäßig von Juni bis September die Monsunwinde. Da sie aus den sudwestlichen Mecresregionen kommen, führen sie viel Feuchtigkeit mit sich.Vll