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Zu diesem Buch
«Können Sie etwas sehen?» fragte in erregter Anspannung Lord Camarvon. Ja, wunderbare Dinge!» antwortete endlich Howard Carter. Den beiden Engländern, die am 26. November 1922 im oberägyptischen Theben miteinander sprachen, danken wir einen der sensationellsten archäologischen Funde aller Zeiten, nämlich die Entdek-kung des Grabes des jungverstorbenen ägyptischen Königs Tutanchamun im Tal der Könige. Aus dem vergleichsweise kleinen Königsgrab wurde in der Folge eine beinahe unüberblickbare Fülle erlesenster Gegenstände geborgen - insgesamt über 5000 Einzelstücke -, darunter reichverzierte Thronsessel und Truhen, tiergestaltige Ruhebetten, Alabastervasen und Salbentöpfe, Königs- und Götterstatuetten, buntbemalte Modellboote, Trompeten und Klappern sowie Schmuck im Überfluss. Am meisten ehrfurchtsvolles Erstaunen erregte jedoch die porträthafte Goldmaske, die Kopf und Brust der Mumie bedeckte, ist sie doch aus reinem Gold geschaffen und mit Einlagen aus Halbedelsteinen und farbiger Glaspaste belebt. Die reichgeschmückte Königsmumie wiederum ruhte nicht nur in einem Sarg aus massivem Gold, sie war auch von einem ganzen System weiterer vergoldeter Särge und Schreine schützend umhüllt. Der Glanz des Goldes, die ästhetisch ansprechenden Kunstobjekte und die scheinbar tragische Lebensgeschichte des möglicherweise verunfallten oder gar ermordeten jugendlichen Königs lösten die anhaltende Begeisterung über den Erfolg einer an sich recht trockenen Ausgräbertätigkeit aus. Es handelte sich keineswegs um einen Zufallsfund, sondern um das Ergebnis einer bereits fünf Jahre vergeblich währenden Suche. Aufgrund verschiedener Indizien war Howard Carter, ein im Tal der Könige seit langem erfolgreicher Grabungsleiter, davon überzeugt, das bislang noch unbekannte Grab Tut-
anchamuns müsse hier verborgen sein. In seinem Landsmann Lord Camarvon fand er einen ägyptenkundigen Mäzen, der gewillt war, das Grabungsprojekt zu finanzieren. Nach mühsamem Suchen und vielen Enttäuschungen stellte sich das Finderglück erst im sechsten Jahr ein.
Dieses in der Weltpresse gefeierte Ereignis kam einem strahlenden Höhepunkt innerhalb einer Entwicklung gleich, die eigentlich mit Napoleon Bonapartes Feldzug nach Ägypten 1798 eingeleitet worden war. Neben politischen und militärischen Zielen hatte der spätere Kaiser von Frankreich die Absicht verfolgt, Geschichte und Kultur des Nillandes zu erforschen. Schon früher waren zwar vereinzelt Europäer bis nach Oberägypten vorgedrungen und hatten zu Hause von ihren Eindrücken berichtet, doch Napoleon liess sein Heer von einem ganzen Stab qualifizierter Wissenschaftler und Künstler begleiten. Ihre Beobachtungen und Aufzeichnungen wurden später in Paris unter dem Titel «Description de FEgypte» (1809-1828) als monumentales, mehrbändiges Werk veröffentlicht, das eine einzigartige Grundlage für die frühe Beschäftigung mit diesem Kulturkreis darstellte. Im Verlauf der napoleonischen Expedition wurden auch ägyptische Kunstwerke zusammengetragen, die als Anschauungsmaterial und zur Bereicherung der Museumssammlungen nach Frankreich gebracht werden sollten. Darunter befand sich der berühmte «Stein von Rosette» (Bild s. S. 103), dessen Inschrift die wichtigsten Impulse zur Entzifferung der Hieroglyphenschrift liefern sollte. Allerdings fiel neben anderen Stük-ken auch dieses hochwichtige Denkmal nach der französischen Niederlage bei Abukir (1801) in die Hände der siegreichen Engländer, die diese Kunstschätze nach London transportierten, wo sie heute zu den Beständen des British Museum gehören.