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ASSISI Von weitem betrachtet, von der anderen Seite der Talebene aus - etwa von den Hügeln um Perugia oder von Perugia selbst - liegt Assisi da wie ein grosser, graulicher Fleck am Hang jenes hohen Berges Subasio (der von hier aus einem riesigen Walfisch mit gekrümmtem Rücken gleicht): fast wie ein Steinbruch von ungewöhnlichen Ausmassen. Beim Naherkommen gewahrt man dann, wie sich jener Fleck, jener Steinbruch ausdehnt, Formen und Proportionen annimmt, sich in Hunderten von gewundenen Wegen, Einschnitten, vielfaltigen Verzweigungen, fadenartigen Strukturen und Vorsprüngen ausdrückt. Und dann erkennt man, dass es Hauser, Türme, Strassen, Kirchtürme und Gárten sind, die Iangsam Gestalt annehmen und sich abheben, und sogleich fessek es den Betrachter, bezaubert und bewegt ihn - jenes lebendige Wunder, das Assisi noch heute in unserer Zeit darstellt, eine der áltesten, berühmtesten und teuersten Stádte der ganzen Welt. Was kann man nun über Assisi sagen, jenen so gefeierten Ort, gewohnt an Lobreden aller Art und ofíen für jegliche Gemeinplatze? Nur dies: Assisi brachte den hl. Franziskus hervor (ohne hier auf die unendlicbe Kraft religiöser Geistigkeit und die unermessliche, geschichtliche Tragweite des Geschehens und der Persönlichkeit selbst einzugehen), und der hl. Franziskus wiederum brachte Giotto und die Basilika hervor, und mit ihnen die hohe italienische Kunst. In Assisi verbindet sich ein wunderbares, mystisches Ereignis (vielleicht das herrlichste nach Christus) mit einer ruhmreichen, bürgerlichen Geschichte: das umbrische und etruskische Assisi, das römische Assisi (Asisium) und Heimat des Dichters S. Properz, Assisi als freie Gemeinde in ewigem Streit mit dem gegenüberliegenden Perugia, Assisi, umstritten von Herrschern und Heerführern, Assisi, Jahrhunderte hindurch Herrschaftsgebiet der Papste. Gross und ewig wurde Assisi jedoch von dem Augenblick an, als dort jene Sonne aufging, des Wunderleben zum Lob des Himmels würdiger pries ein Sdnger . Von da an bedeutete der hl. Franziskus Assisi und Assisi der hl. Franziskus: durch seinen Namen wurde Assisi die Stadt des Geistes, offene Kirche des Universums. Eine aussergewöhnliche Stadt. Die Strassen winden sich bergan und bergab in entgegengesetztem Rhythmus, die gleichermassen gewaltsam in den Berg eingeschnitten zu sein scheinen; die Hauser schmiegen sich dicht aneinander, deren Fassaden aus Bruchstein und Ziegelstein einen fast finsteren Eindruck erwecken; aber Mauern, Fenster und Balkoné sind festlich geschmückt mit einem Meer blühender Rosen und Geranien. Rings um Assisi, auf den Bergen und zu Tal, der máchtige Atem des grünen Umbriens . Hier kann man noch nach Belieben Carducci geniessen (der hier zu Hause war aufgrund jener berühmten Topik über die Kuppel der Kirche