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Was gefállt Ihnen eigentlich an Bad Oeynhausen so dal3 Sie sein Lob immer wieder gern singen, obwohl Sie doch im Lauf der letz-ten Jahre eine ganze Reihe anderer Bade-orte in Deutschland und anderswo ken-nengelernt habén, die auch nicht zu ver-achten sind?Offen gestanden: Bin ich lángere Zeit im Dunstkreis des Jordansprudels, dann wei(3 ich keine bündige Antwort auf diese Frage. Bin ich der Stadt aber einige Zeit fern, dann wird mir allmáhlich klar: Mir behagt vor allém der leichte Hauch von Unbürgerlichkeit, der dem Leben dort und seiner Atmospháre beigemischt ist. Ich weil3, dies mulB, damit es geglaubt wer-den kann, erláutert und begründet wer-den. Denn es gibt in Bad Oeynhausen, wie auch in jedem anderen deutschen Ge-meinwesen, Zustánde und Vorgánge ge-nug, um genau das Gegenteil zu bewei-sen: Engherzigkeit námlich, Herzenstrág-heit und Unsoliditát. Gleichwohl hat Oeynhausen so viel Angenehmes zu bie-ten, daB hier jeder, der Behagen sucht, auf seine Kosten kommen muB, wenn er nicht gerade ein Griesgram ist, der aus Prinzip immer und überall etwas zu nör-geln findet . . ."Die Dame, die dieses Lob Bad Oeynhau-sens 1925 niederschrieb, hatte dabei ge-wiB vor allém ihren Vorteil im Auge: Sie wollte námlich meinen Vater dazu verlok-ken, ihr Haus zu kaufen. Das ist ihr denn auch gelungen. Mir aber wurde dadurchGelegenheit verschafft, in den folgenden fünfzig Jahren dem Wahrheitsgehalt und Wirklichkeitsgrad áhnlicher Lobsprüche, aber auch der Tadel nachzuspüren, an denen sich Bad Oeynhausen, wie jede an-dere deutsche Stadt, immer wieder er-freuen oder árgern darf. Etwas, das auch heute noch unverándert gilt, ist mir bereits damals, bei der ersten Begegnung mit der Stadt,aufgefallen: DaB sie sich dem, der sich ihr zum erstenmal náhert, auf den ersten Blick nicht gerade vorteilhaft darzubieten vermag. Woher man auch herankommt ob mit der Ei-senbahn von Minden, Rinteln oder Löhne; ob mit dem Autó von Osten, Westen, Nor-den oder Süden: Was sich beim Herein-fahren dem neugierig prüfenden Auge zeigt, kündet zwar überall vom regsamen GewerbefleiB der Bewohner und von der Vielfalt seiner Mittel und Zwecke; für ihren Schönheitssinn spricht es jedoch nicht immer. Wie gesagt, dies war bereits damals, im Jahre 1925, so. Einer meiner Freunde hat seinen Unmut hier-über einmal so drastisch geáuBert, daB mir nichts anderes übrig blieb, als ihn zu jenem Schleichweg und durch jene Hin-tertür zu führen, wo das Auge des Be-suchers nicht immer wieder irritiert wird, wenn es begierig nach dem Angenehmen Ausschau hált, das - wie oben gemeldet - Oeynhausen in so reichem MaBe zu bie-ten verspricht.