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Ermunterung zur Liebe auf den ersten BlickWenn der nachsichtige Leser hier nur lückenhafte Antworten auf Fragen seiner historischen Neugier erhält, geschieht dies nicht aus Gleichgültigkeit gegenüber der Geschichtsschreibung, sondern einerseits im Wissen, dass sich längst eine Reihe berufener und namhafter Autoren ausführlich zu Badens Chronik geäussert hat; und andererseits im Glauben, Geschichte allein - und nichts als Geschichte - reiche nicht aus, Badens Eigenart zu deuten.Der Mineralgehalt von Erde und Wasser begünstigt oder...
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Ermunterung zur Liebe auf den ersten BlickWenn der nachsichtige Leser hier nur lückenhafte Antworten auf Fragen seiner historischen Neugier erhält, geschieht dies nicht aus Gleichgültigkeit gegenüber der Geschichtsschreibung, sondern einerseits im Wissen, dass sich längst eine Reihe berufener und namhafter Autoren ausführlich zu Badens Chronik geäussert hat; und andererseits im Glauben, Geschichte allein - und nichts als Geschichte - reiche nicht aus, Badens Eigenart zu deuten.Der Mineralgehalt von Erde und Wasser begünstigt oder unterdrückt körperliche und seehsche Eigenarten des Eingeborenen; Klima und Topographie beeinflussen - zusammen mit der von ihnen diktierten Vegetation - den Bewohner einer Landschaft samt seiner Ess-, Trink-, Lach- und Arbeitsgewohnheiten, seinen typischen Vorzügen und seinen spezifischen Fehlern. Seine täglichen optischen Eindrücke - Engnis oder Weite, Kargheit oder Überfluss - schlagen sich ebenso in Ängsten und Freuden nieder wie die Bedrohung und Beglückung durch die Naturgewalten. So ist denn Lokalcharakter beileibe nicht bloss und ausschUesslich das Ergebnis lokaler Historie, sondern ebenso alt wie sie und ebenso bedeutsam, steht mit ihr in ständiger Wechselwirkung und erzeugt mit ihr zusammen das allein wahrnehmbare Heute.Deshalb wird hier der Versuch unternommen, das aktuelle Baden, sein Gesicht und seine Gebräuche zu porträtieren und zu erklären - auch aus seiner Vergangenheit, gewiss! - doch nicht ohne ein Quentchen mutwiUiger Spekulation und nicht ohne jene Subjektivität, deren stichhaltigste Rechtfertigung die Liebe ist.Wer von Brugg in unsere Stadt einfährt und sie über die Ausfallstrasse nach Neuenhof verlässt, verpasst das Beste. Er hat sich just jenen Weg ausgesucht, der ihm am meistendräuende Industriegebäude, schattige Strassen-schluchten und nüchterne Zweckbauten beschert; die zurückgezäunten Gärten säkularisierter Villen haben ihn nachdenklich gestimmt, und die kurzen Blicke auf den Stadtturm und die Silhouette der Ruine Stein reichen nicht aus, jene Begeisterung glaubhaft zu machen, die mancher Besucher für Baden empfindet.Wer mit dem Zug aus Zürich kommt und den kurzen Durchblick von der Eisenbahnbrücke nicht mit Mantelanziehen vertan hat, mag schon eher ahnen, dass sich leben lässt in der Stadt, die sich hinter ansehnlichem Grün verbirgt. - Doch der ideale Standort für eine flüchtige und dennoch verführerische erste Begegnung ist zweifellos das Wettingerende der Hochbrücke: von dort erlebt der Beschauer das mittelalterliche Städtchen in all seiner Postkattenschönheit: optisch deuthch begrenzt vom Bergfried des Stein und von der Niederen Feste, dem Land-vogteischloss; Sonntagsseite einer romantischen Kleinstadt, tausendmal abgebildet und immer wieder erfreulich.Nicht wenige Landstädtchen würden sich damit zufriedengeben, schmuck zu sein, für Kalenderblätter herzuhalten und mit Gott und der Welt im Frieden zu leben. Anders Baden! - Natürlich pflegt man bewusst die Idylle, die nicht nur den Badegast in Bann schlägt, sondern jeden, der sich die Zeit nimmt, Gassen und Plätze, Wälder und Parks zu erwandern. Doch andererseits hält man hierzulande viel von industrieller Tüchtigkeit, gepaart mit fast unangemessener Weltgewandtheit und der mutwilligen Bereitschaft, dem nahen Zürich, der Kantonhauptstadt Aarau und nicht zuletzt der Schwesterstadt Wettingen die Zähne zu zeigen. Dualität oder Schizophrenie ?Dies zu entscheiden, bitten wir Sie zu einem imaginären Spaziergang. Damit ahmen

Termékadatok

Cím: Baden [antikvár]
Szerző: Franz Doppler Ruedi Fischli
Kiadó: Verlag Paul Haupt
Kötés: Vászon
ISBN: 3258028249
Méret: 190 mm x 250 mm
Franz Doppler művei
Ruedi Fischli művei
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