Bővebb ismertető
HTheodor HornbergerWie die meisten seiner Nachbarländer hat Baden-Württemberg Anteil an dem bewegten Relief waldreicher Mittelgebirge und klimabegünstigter Tal- und Beckenlandschaften und verkörpert einen Ausschnitt typisch mitteleuropäischer Kulturlandschaft. Auch hier stehen Menschen an den Maschinen und gehen hinter dem Pflug. Auch hier liegt das Gold nicht auf der Straße, sondern muß mit Hilfe regen Geistes und fleißiger Hände gewonnen werden. Das Bundesland im deutschen Südwesten steht nach seiner Fläche (35 750 qkm) und seiner Bevölkerungszahl (Mitte 1976 mehr als 9 Millionen Einwohner) an dritter Stelle unter den Ländern der Bundesrepublik.Gleichzeitig bestehen über die Grenzen dieses Bundeslandes hinüber engste natürliche Verbindungen und wirtschaftliche Verflechtungen mit der anderen Rheinseite nach der Pfalz, über Bergstraße und Odenwald nach Hessen und auf der ganzen Breite vom Main zum Bodensee nach Bayern. Selbst wo der Rhein die staatliche Grenze bildet, gibt es weit mehr Verbindendes als Trennendes; denn über den verkehrsreichen Strom führen zahlreiche Brücken in die deutschsprachigen Landesteile der Schweiz und Frankreichs. Trotz der vielen gemeinsamen Züge ist dieses südwestdeutsche Land von Natur und Kultur doch in so eigenartiger Weise ausgestattet, daß es dem Einheimischen verziehen werden mag, wenn er glaubt, sein Land sei etwas Besonderes. Und diese Besonderheit beginnt schon mit einer volkstümlichen Erzählung der Schöpfungsgeschichte. Es heißt nämlich: als Gott die Welt erschaffen und Ländern und Meeren, Gebirgen und Tiefländern, Bergen und Tälern ihre Form und ihren Platz gegeben hatte, da waren von allen Baustoffen kleine Reste übriggeblieben. So waren noch ein paar Kalksteine und Sandsteine, ein paar kleinere Gebirgsstückchen, noch etwas gute Erde und einige Steinriegel, einige Stücke von Wald und Feld, ein paar Bächlein und kleinere Flüsse, ja sogar ein Stüde eines großen schiffbaren Flusses und selbst ein kleines Meer vorhanden. Dazu waren auch im Farbtopf noch kleine Reste. Mit all dem schuf Gott aus Freude an seinem gelungenen großen Werk nun noch ein Musterbild einer Welt im Kleinen. Die Badener sagen, so sei das Musterländle, die Württemberger, so sei das Schwabenland entstanden. Beide sind sich einig, daß ihr Land das Ergebnis dieser besonderen Schöpfung sei, ein Land bunter Mannigfaltigkeit, aber auch ein Land, in dem der Ordnungswille des Schöpfers alles harmonisch verbunden habe. Etwas vom Wahrheitsgehalt dieser Legende zeigt ein Blick in dieBADEN-WÜRTTEMBERG UND SEINE LANDSCHAFTENErdgeschichte. Von der Frühzeit bis in die jüngste geologische Vergangenheit haben alle Zeitalter am Aufbau dieses Landes mitgewirkt. In mehreren tausend Metern Mächtigkeit wurden Gesteinsschichten auf Gesteinsschichten gelagert. Sie sind noch alle zu erkennen, die harten als Stufen heraustretend, die weichen als Flächen stärker eingeebnet. So zeigt dieses gewaltige Bauwerk einen treppenartigen Aufbau, für den der Begriff des Schichtstufenlandes geprägt wurde. Bildlich gesprochen ist es ein mächtiger Stockwerkbau mit zahlreichen von der Natur recht verschiedenartig ausgestatteten Etagen, die durch natürliche Treppen, Korridore und Pforten zugänglich und aufgeschlossen sind. Im Bauplan dieses Hauses sind viele Zimmer und Kammern vorgesehen, sonnige und warme, aber auch dunkle und feuchte, Räume mit großen Fenstern zur Straße und Räume mit Ausblick auf Garten und Feld, zentrale und periphere, geräumige und enge.Es wird die Aufgabe dieses Buches sein, nicht nur Bauplan und Räumlichkeiten dieses Hauses, wie sie die Natur angelegt hat, zu schildern, sondern auch zu zeigen, was die Bewohner daraus gemacht haben, wie sie sich entsprechend ihrer Denkart und Lebenshaltung eingerichtet, wie sie Wohnräume und Werkstätten, Räume der geistigen und religiösen Vertiefung und Räume der Erholung und Gesundung geschaffen haben, wie sie Kornkammern und Vorratsspeicher angelegt und wie sie Wege von einem Raum zum anderen gebahnt haben. Das Bild dieses Wohnhauses mag aber auch das Zusammenwachsen der Menschen zu einer Hausgemeinschaft deutlich machen. Alle, die hier wohnen, haben ihren Anteil am Werden und Sein des heutigen Landes.Ein Rundgang durch das Haus soll uns mit seinen Stockwerken, mit seinen Kammern und Bewohnern bekannt machen. Dabei ist festzustellen, daß dieses Bauwerk an der größten natürlichen Verkehrsstraße liegt, die Mitteleuropa von Norden nach Süden durchzieht. Der Rhein ist die heute am stärksten befahrene Binnenwasserstraße Europas, und das breite Oberrheintal ist eine alte Völkerstraße, Heerstraße und Handelsstraße. Kein Wunder, daß schon die frühesten Bewohner sich im Schutz der westlichen Randgebirge an dieser Bergstraße niederließen und daß ihre Dörfer und Städte, ihre Ackerfluren und Weinberge wuchsen und Wohlstand brachten. Durch schmale Pforten wie im Höllental, oder durch breite Tore wie in den Flußtälern von Elz, Kinzig und Murg treten wir in das Haus selbst ein, dessen gewaltiger Sockel aus Granit und Gneis, aus Por-IX