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In Europas Mitte
Baden-WüTttemberg und die Welt
»Wo liegt eigentlich Baden-Württemberg?« - fragte Papst johannes Paul II. beim ersten Besuch des Stuttgarter Ministerpräsidenten im Vatikan. Verdutztes Schweigen. In die Stille hinein ein vorlauter Journalist: »Links von Bayern!« - Aus römischer Sicht war dies eine zutreffende Lagebestimmung. Der weitgereiste Lothar Späth weiß in der Zwischenzeit, was er sagen muß, um das Mu-sterländle im deutschen Südwesten vorzustellen: »Heidelberg, Mercedes-Benz und Porsche, Steffi Graf und Boris Becker« - da wissen die Leute im hintersten Winkel der Welt Bescheid.
Baden-Württemberg gilt als eine besonders geglückte Mischung aus Leuten und Landschaften, Technik und Kultur, Arbeit und Freizeit. »Ein Modell deutscher Möglichkeiten« hat vorausahnend der erste deutsche Bundespräsident Professor Theodor Heuss das einmal genannt. Manch einer schielt mit neidischen Blicken nach Baden-Württemberg, das bei allen deutschen Erfolgsbilanzen Spitzenplätze vorweisen kann. Deshalb gibt es in der Bundesrepublik auch einen so starken Zug in den Süden, denn da sind noch attraktive Arbeitsplätze zu finden.
In den Schoß gefallen ist den Baden-Württembergern aber nichts. Die Heutigen und ihre Vorfahren mußten nicht nur kräftig in die Hände spucken, sie mußten vor allem ihren Kopf einsetzen, um das auszugleichen, was ihnen die Natur vorenthalten hat. Das
moderne, das attraktive Baden-Württemberg ist eine glückliche Verbindung aus Gottesgaben und Menschenwerk, aus Traumlandschaften und Stadtregionen, aus dem Himmelreich des Barock und dem sozialen Wohnungsbau, aus Heimatmelodie und Computerflackern.
Starke Wirtschaft - sichere Arbeitsplätze
Der größte deutsche Wirtschaftskonzern, das Weltunternehmen Daimler-Benz, hat seinen Sitz und sein Stammhaus in der Landeshauptstadt Stuttgart. Typisch iur die baden-württembergischen Größenverhältnisse ist Daimler-Benz nicht. Die Industriestruktur ist hierzulande nach kleineren Maßstäben geschnitten. Begonnen hat alles erst so richtig im 18. Jahrhundert. Die Wurzeln des heutigen Wohlstands gründen in einer armen Zeit. Der karge Boden zwang die Menschen, sich nach weiteren Verdienstmöglichkeiten umzusehen, um zu überleben. Die Schwarzwälder Uhrmacher, die Leinenweber und die Rechenmacher, die Waagenbauer legten den Grundstock für eine Industrialisierung, auf dem die staatliche Wirtschaftsförderung des 19. Jahrhunderts auibauen konnte. Die regierenden Häuser in Baden und in Württemberg betrieben aus nicht ganz uneigennützigen Gründen eine gezielte Wirtschafts-förderung. Das begann mit dem Abbau der wenigen Bodenschätze: Silber, Eisenerz und Salz. Besseren Profit versprachen dann die
damaligen Luxusgüter Schmuck, Porzellan und Seide. So richtig Schwung bekam die Sache aber erst, als sich der Staat entschloß, das kleinbürgerliche Handwerk zu unterstützen. Ferdinand Steinbeis, der 1848 als technischer Berater an die »Centralstelle für Gewerbe und Handel« in Stuttgart verpflichtet wurde, verschaffte der jungen Industrie vor allem bessere Exportmöglichkeiten.
Nachdem viele Jahre lang immer mehr Menschen aus schierer Not ausgewandert waren, überzeugte Steinbeis die politisch Verantwortlichen, daß man Waren und nicht Menschen exportieren müsse. Voraussetzung flir die Wettbewerbsfähigkeit war eine gute Aus- und Weiterbildung des Nachwuchses, überall im Land gründete er Fachschulen. Diese Rezepte sind bis heute gültig; den modernen Wirtschaftspolitikern ist auch noch nichts besseres eingefallen. Und schließlich hat der Erfolg Steinbeis ja auch recht gegeben.
Vieles von dem, was entstanden ist, hat bis heute Bestand. Aber ohne erfindungsreiche Köpfe wäre die ganze Industrialisierungspolitik zum Scheitern verurteilt gewesen. Der Pionier der modernen Rechentechnik stammt aus Heidelberg. Wilhelm Schick-hard konstruierte als Mathematikprofessor in Tübingen schon um 1620 eine Rechenmaschine. Zum Vater der württembergischen Feinmechanik wurde der Pfarrer Philipp Matthäus Hahn (1739-1790). Auf ihn geht der Bau von Präzisionswaagen in Balingen und Ebingen zurück. Als typischer