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Ludwig II.
»Ein ewiges Rätsel bleiben will ich mir und anderen.«
(Ludwig IL)
101 Kanonenschüsse verkündeten ann 25. August 1845 den Münchnern, daß Kronprinz Max und seiner Gattin Marie, Prinzessin von Preußen, ein Sohn geboren worden war. Das Kind wurde nach seinem Großvater auf den Namen Ludwig getauft, und König Ludwig L, der am gleichen Tag Geburtstag hatte, übernahm auch voll Stolz und Freude die Patenschaft. Nach seiner mit der Lola Montez-Affaire begründeten Abdankung folgte ihm 1848 Max als König Maximilian IL auf den bayerischen Thron., von Anfang an darum bemüht, einen Musterkönig abzugeben. Dieselbe Korrektheit und Nüchternheit, mit der er seine Pflichten als Landesvater erfüllte, prägten auch sein Familienleben und das Verhältnis zu den beiden Söhnen, Ludwig und dessen um drei Jahre jüngeren Bruder Otto. Seine auf Distanz und Strenge gegründete Erziehung ließ eine tiefere Beziehung zu dem übersensiblen, phantasievollen Knaben nicht aufkommen, und auch die Mutter, eine zwar gütige, doch sehr einfache Frau, brachte ihm nicht das Verständnis entgegen, das er gebraucht hätte. Das einzige, was Ludwig mit seinen Eltern gemeinsam hatte, war die Liebe zu den Bergen und die Freude an dem vom Vater ausgebauten Schloß Hohenschwangau, das für seinen späteren Lebensstil so bestimmend werden sollte.
Als MaximiHan II. am 10. März 1864 überraschend starb, trat der achtzehnjährige Ludwig innen- wie außenpolitisch ein schweres Erbe an. Außenpolitisch war Bayern bereits in den Sog der Ereignisse geraten, die schließlich in die Reichsgründung von 1871 mündeten: Der deutsch-dänische Krieg (1864) und die Abtretung von Schleswig-Holstein an Österreich und Preußen hatten die Gegensätze zwischen den beiden Großmächten innerhalb des Deutschen Bundes derart verschärft, daß es 1866 schließhch zur bewaffneten Auseinandersetzung kam. Bayern und die Mehrzahl der Bundesmitglieder wurden an der Seite Österreichs gegen Preußen in einen Bruder-