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Im zweiten Teil seines Faust läßt Goethe die schöne Helena sagen: Bewundert viel und viel gescholten. Bayern könnte Helenas Worte übernehmen, denn dem Freistaat im Süden der Bundesrepublik Deutschland fehlt es auch nicht an beidem. Bewunderung zollte ihm beispielsweise der Preuße und Eiserne Kanzler Otto von Bismarck: Bayern ist vielleicht das einzige deutsche Land, dem es durch materielle Bedeutung, durch die bestimmt ausgeprägte Stammeseigentümlichkeit und durch die Begabung seiner Herrscher gelungen ist, ein wirkliches und in sich selbst befriedigtes Nationalgefühl auszubilden. Schelte kam dagegen von dem sächsischen Geschichtsprofessor Heinrich von Treitschke: Bayern ist eine lebensunfähige politische Miß- bildung, recht eigentlich ein Zwerg mit einem Wasserkopf, und Preußens Aufgabe besteht darin, Bayern zu zerschlagen und das Haus Wittelsbach auf seine Alpenländer zu beschränken. Ein kluger Bayer wird Bismarcks Bewunderung eher als diplomatische Höflichkeitsbezeugung empfinden und den Antisemiten und Bayernhasser Treitschke auf die Kirchweih einladen, um wieder mit Goethe zu reden. Bismarcks Begriff von der ausgeprägten Stammeseigentümlichkeit stimmt nicht ganz: Bayern hat eigentlich drei Stammeseigentümlichkeiten, da es in Napoleons gnadenreicher Zeit zum Königreich geworden war, in dem zum Stamm der Altbayern damals die Franken und Schwaben hinzukamen. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich die Heimatvertriebenen, besonders aus dem Sudetenland, in Bayern nieder. Ihre Patenschaft übernahm der Freistaat und erklärte die Sudetendeutschen zum vierten bayerischen Stamm. Das viel gescholtene und doch so oft schon gestohlene bayerische VOM KÖNIGREICH ZUM FREISTAAT