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An unsere ZeitLebensweisheiten des DichtersJEAN PAUL FRIEDRICH RICHTERgeb. 1763 in Wunsiedelgest. 1825 in Bayreuth,wo er von 1804 bis zu seinem Tode lebte und schrieb.Der Mensch interessiert sich bloß für Nachbarschaft undGegenwart; der wichtigste Vorfall, der in Zeit oder Raum sichvon ihm entfernt, ist ihm gleichgültiger als der kleinste nebenihm."Welch ein Irrtum zu glauben, die Leidenschaften seien am stärk=sten in der Jugend. Die Leidenschaften sind nicht stärker, aberdie Beherrschung derselben ist schwächer. Sie werden leichtererregt sie sind heftiger und leichter sichtbar , aber sie habenweniger Energie, weniger Dauer, weniger nachhaltige Kraft alsin reiferen Jahren."Wer die Laterne trägt, stolpert leichter als wer ihr folgt."Gesprochen von Frank Hofmann, Burgtheater Wien,bei der Festsitzung des Stadtrats Bayreuth zu Ehren desBundespräsidenten Dr. Gustav Heinemann und seiner Frauanläßlich ihres Besuches am 26. Juli 1969im Sitzungssaal des Alten Rathauses Bayreuth.Die Reformatoren vergessen immer, daß man, um den Stunden=zeiger zu rücken, bloß den Minutenzeiger zu drehen braucht."Wir werden mit all unseren Schulen zwar gelehrter, aber nichtbesser."In den deutschen Ländern gehören zwei Jahrhunderte dazu,um eine Narrheit zu beseitigen: eines, um sie einzusehen; nocheines, um sie abzuschaffen."Wollte ein Staat nur die Hälfte seines Kriegsbrennholzes zumBauholz des Friedens verbrauchen, wollte er nur halb so vieleKosten aufwenden, um Menschen als Unmenschen zu bilden undhalb soviel sich zu entwickeln als zu verwickeln, wie ständen dieVölker ganz anders da!"Der Krieg kommt endlich selber am Kriege um; seine Vervoll=kommnung wird seine Vernichtung."Unser ganzes Jahrhundert trinkt aus dem merkantilischen Gift=becher."Ungebraucht fortwachsender Reichtum ist eine Perlenbank, aufder man scheitert."Es wird einmal eine Zeit kommen, wo man unsere vergangeneDummheit so wenig begreifen wird als wir die künftige Weis=heit; ich meine, wo man nicht bloß wie jetzt keine Bettler, son=dem auch keine Reichen dulden wird."Geh niemals ohne ein freundliches Wort, es könnte dein letztessein."