Bővebb ismertető
BERLINER FARBEN fotografisch aufbereitet von Gerhard Riesling, untermalt vom Monolog eines Hauptstadters, auswártigen Besuch erwartend... Wie oft ich diesen Weg nun schon gegangen bin, probehalber, mit den Füűen oder mit dem Finger auf dem Stadtplan. In der Mittagspause im Zentrum von meiner Firma aus und abends zu Hause in den Büchern, Karten und bunten Bildern. Du kannst jetzt kommen, ich bin einigermaBen bewandert. Mein Stuhl steht, wie du weiűt, im »Berliner Verlag«, vierzehn Stockwerke über dem einstigen Scheunenviertel. Der Name geht auf eine Feuerordnung aus dem Jahre 1672 zurück, die Ackerbürger und Handwerker verpflichtete, Stálle und Schuppen mit brennbarem Material vor die Stadttore zu verlegen. Vor und noch mehr nach dem ersten Weltkrieg avancierte die Gegend mit ihren engen Strafíen und Gassen zum biliigen Vergnügungsviertel, in dem die Unterwelt zu Hause war. In seinem Román »Berlin - Alexanderplatz«, seinem Welterfolg, hat der Schriftsteller und Arzt Alfréd Döblin ihnen den Puls gefühlt, Prostituierten und Zuháltern, Dieben und Hehlern, kleinen und grófién Ganoven. Alles sehr anstándig geworden. Höchstens, daű mir der Kellner in der altgemachten Neukneipe um die Ecke sieben Mark fünfzig für die Sülze abnimmt und zwei vierzig für das Bier. Wenn das CENTRUM-Warenhaus nicht dazwischen stünde, könnte ich von meiner hohen Höhe aus den Platz sehen, wo Theodor Fontane (der junge Fontane, versteht sich) im Revolutionsjahr 1848 hinter einer Barrikade aus Mehlsácken lag. Gewehre hatten sich die bürgerlichen Revolutionáre aus dem Fundus des Königstádtischen Theaters geholt, das sich genau dort befand, wo die HO-Einrichter mit Teppich und Schrankwand handeln. Irgendwo gegeniiber (hinter dem Haus der Elektroindustrie oder erst bei der Volksbühne) habén die Junker im Jahre 1540 Hans Kohlhase rádern lassen, jenen Bauern und Gerechtigkeitssucher, dem Iíleist spáter in seinem »Michael Kohlhaas« zur Unsterblichkeit verhalf. Halt! So kommen wir, fürchte ich, nicht weiter. Drei Stunden, hast du geschrieben, gibst du mir für mehr als 750 Jahre. Drei Stunden hátten uns,