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Der Freund
Der Bodensee sei in seiner heutigen Form ein nach der Auffaltung der Alpen dann während der letzten Eiszeiten entstandenes Gewässer mit einer größten Tiefe von 252 Metern, sagen die Geologen.
Doch er ist mehr. Er ist eine Persönlichkeit, die schon seit langem eine starke Anziehungskraft ausübt.
Und viele Menschen kamen und kommen und lehnen sich tatsächlich teils liebevoll, teils Halt suchend an ihn, ja zu gewissen Zeiten streicheln sie ihn sogar zärtlich, indem sie sich badend und schwimmend mit ihm befassen und über seine Haut surfen und segeln. Sie kitzeln ihn mit Motorflitzern und lassen Vergnügungsschiffe wie neugierige Blicke kreuz und quer über ihn schweifen.
Kein Wunder, daß er nicht immer nur gut gelaunt, sondern manchmal nervös ist und gelegentlich aufbraust (was übrigens einigen gefällt, die sich gern mit ihm balgen).
Jedenfalls wird der See von den Menschen voll und ganz in Anspruch genommen.
Er muß ihnen Fische für ihre Menüs und eine Menge Wasser als Trinkwasser spenden, muß Spiegel sein, der die Wirkung der Sonnenstrahlen auf Weinberge und Obstgärten verstärkt, muß Verinittler sein zwischen Ländern, Motiv für Dichter und Maler, wird photographiert und gefilmt und vermarktet und wehrt sich bei alledem kaum, in der Hoffnung, man würde wenigstens dafür sorgen, daß er gesund bleibt.
Aufmerksame Betrachter des Bodensees entdecken aber an ihm noch eine andere, besonders liebenswerte Eigenart: den ständigen Wechsel von Stimmungen, hin und her, auf und ab und rundum. Jetzt Lebenslust, dann wieder Resignation. Hier Bewegung, dort Ruhe. Heute Zufriedenheit, morgen Sehnsucht. Liebenswert, weil er uns dadurch gewissermaßen einen Spielplatz für unsere Gefühle bietet. Und Gefühle sind wie eigene Kinder, in denen man sich selbst erkennt.
So wird der See schnell zum hilfreichen Freund.
Überzeugen Sie sich! Probieren Sie's aus!