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Sjd Vr—t.^^EFREIT VON DEN FESSELN DER VERGANGENHEIT, KÖNNEN WIR
heute ohne Vorurteile und mit lebendigem Sinn die grossen fortschrittlichen Bestrebungen be-
greifen, die am Hange der Kleinen Karpathen an den Ufern des mächtigen Donaustroms die
Stadt Bratislava geformt haben; diese altertümliche S'tadt, welche durch Arbeit und Kraft der
Werktätigen zur lebendigen Metropole der Slowakei geworden ist, um den freudigen Sieg fried
licher Aufbauarbeit zu künden.
Entscheidend für die Entstehung, Entwicklung und Bedeutung Bratislavas war die geogra-
phische Lage dieses Grenzgebietes an einer der ältesten und wichtigsten Donaufurten, die schon
im Altertum eine bedeutende Rolle spielte und die wichtigsten, über die Flüsse Morava und Odra
führenden Handelsstrassen der barbarischen Gegenden mit dem Wirtschafts- und Kulturgebiet
der zivilisierten Welt verband.
Der Verkehr und Tauschhandel mit dem römischen Sklavenreich beschleunigte die Auflocke-
rung der Bande der Urgemeinschaft der Barbaren im Donaugebiet, wie dies auch die Funde
keltischer Siedlungen unter dem Schlossberg von Bratislava und jene der Siedlungen in der Ebene
beweisen, insbesondere die Entdeckung einer 'keltischen Töpfersiedlung auf dem heutigen
Gottwald-Platz. Infolge der Expansion des römischen Reiches nach Norden gelangte die wichtige
Donaufurt bei Bratislava unter die Kontrolle der römischen Legionen, die hier einen Beobach-
tungspunkt und ein Militärlager errichteten, um den ungestörten Flussübergang gegen Angriffe
der Barbaren zu sichern. Unter den zahlreichen barbarischen Völkern, die nach dem Fall des
römischen Reiches sich des Donaubeckens bemächtigten, gelangten im 6. Jahrhundert die Slawen
zur Bedeutung, welche nach wiederholten Versuchen um staatliche Selbständigkeit im 9. Jahr-
hundert sich im Grossmährischen Reiche vereinigt haben. Das Grossmährische Reich war als
mächtiger Wall gegen die nach Osten gerichteten Expansionsbestrebungen des Westens gedacht
und verbreitete mit Hüfe des Byzantinischen Reiches slawische Kultur in slawischer Sprache,
um so den wachsenden politischen Einfluss der deutschen Bistümer einzudämmen. Es ist mehr
als wahrscheinlich, dass Bratislava eine der bedeutendsten Wallburgen des Grossmährischen
Reiches war, wenn auch ihre erste historische Erwähnung erst aus der Zeit des Untergangs
dieses Reiches stammt. Der Überlieferung nach spielte sich die Entscheidungsschlacht, die den
Ungarn die Vorherrschaft im Donaugebiet sicherte, im Jahre 907 in der Nähe von Bratislava ab.
Diese mächtige Burg spielte später bei den wiederholten Kriegszügen gegen die Ungarn eine
wichtige Rolle und wurde im Grossgausystem des ungarischen Staates im XI. Jahrhundert Sitz
eines Grenzkomitates. Unter dem sicheren Schutz der Burg Bratislava entstand eine Reihe von
Siedlungen, die im XII. Jahrhundert königliches Eigentum bildeten. Die Bewohner dieser Sied-
lungen waren königliche Untertanen der Burg und beschäftigten sich mit Landwirtschaft, Wein-
bau und Fischerei. Die steigende Bedeutung des Weinbaus im mittelalterlichen Tauschhandel
sicherte diesen Siedlungen einen bemerkenswerten Aufschwung und so auch die Möglichkeit zur
Entfaltung von Gewerben. Die einstigen Namen der ehemaligen Siedlungen der Burg von Brati-
slava deuten darauf hin, dass die leibeigenen Handwerker der Burg in selbständigen, je nach
dem Gewerbe und in konsequenter Arbeitsteilung gesonderten Siedlungen lebten. Die Erzeugung
und der Warenumsatz waren bedeutend und die günstige Lage der unter der Burg befindlichen