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Darmstadt, Stich von Matthäus Merlan, 1646
Darmstadt einst und jetzt
Darmstadt gehört zu jenen mittleren Residenzstädten, an denen das alte Reich nicht eben arm gewesen ist. Fürstlicher Wille hat Darmstadt geschaffen und seinen Charakter bis zum Ersten Weltkrieg geprägt. Aus einer sdilichten Wasserburg des Mittelalters, deren Aussehen wir nur ahnen können, hat sich im Laufe der Zeiten ein blühendes Gemeinwesen entwickelt. Städtebaulicher Mittelpunkt ist auch heute noch das Residenzschloß - Wahrzeichen und Zentrum für die pulsierenden Adern der Gassen, Straßen und der Plätze.
Unter der Vielzahl der Regenten aus dem Hause Hessen-Darmstadt - einem Zweig des hessischen Fürstengeschlechtes, das als seine Stammutter die heilige Elisabeth von Thüringen ansieht, und das nicht nur mit nahezu allen deutschen Fürstenhäusern, sondern auch mit den Romanows versippt war - heben sich einige Persönlichkeiten besonders hervor: Landgraf Georg L, der Fromme (1567-1596), Stammvater des Hauses Hessen-Darm-stadt, Landgraf Ernst Ludwig (1678-1739), Schöpfer der barocken Residenz, Großherzog Ludewig L (1790-1830), der im Verein mit seinem Ardiitekten Georg Moller den Grund zum Darmstadt der Neuzeit legte und schließlich der letzte hessische Großherzog Ernst Ludwig (1898-1918), der durch seine Aufgesdilossenheit für jene damals heraufkommenden künstlerischen Strömungen, die man heute unter dem Begriff des Jugendstils zusammenfaßt, der Stadt hohen künstlerischen Rang verliehen hat.
Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges war im Laufe der Zeiten ein Stadtbild von unverwechselbarem Charakter und harmonischer Haltung entstanden, das nicht sonderlich phantasievoll, aber nobel wirkte, „eine wache, klare Stadt, die mehr aus Geist und Nerven als aus Leidenschaft und Blut lebt; mehr Fürstenprodukt als natürliches Gewächs des Bodens; nicht frei von einer liebenswürdigen Künstlichkeit, erfüllt von einer nicht sehr dichten, doch zähen und feinen Tradition; sehr westlich geprägt, sehr erzogen, knapp und präzis geformt; eine Stadt, in der nicht die breiten sanguinischen Äußerungen des Daseins vorherrschen, sondern rheinfränkische Geistesfreude, Intellektualität, rasches Bemerken und Prägen, Kritik und Humor " (Wilhelm Michel).
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