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Salomon Kleiner und seine Radierfolge über die Gartenschlösser des Prinz Eugen von Savoyen
Der ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts als autonomer Bildgegenstand gültige Architekturprospekt ist per se nicht bloß ein Mittel zur Dokumentation einer Stadtansicht oder eines einzelnen Bauwerks, sondern ebenso eine visualisierie Darstellung von Macht und Erfolg. So wurden etwa im 16. Jahrhundert in Rom die außergewöhnlichen städtebaulichen Leistungen von Papst Sixtus V. in von seinem „architetto generale" Domenico Fontana in Auftrag gegebenen Kupferstichen mit perspektivischen Ansichten sowie Grund- und Aufrissen der Gebäude festgehalten. Dem Streben, die eigene Welt sowie architektonische Leistungen für die Nachwelt bildnerisch festzuhalten, entspricht der im 17. jahrluuidert immer häufiger zu beobachtenden Gepflogenheit der Anfertigung von aufwendigen Vedutenwerken. Zu den bekanntesten Werken zählt das ab 1642 in zunächst 16 Bänden herausgegebene Stichwerk Topographta Germaniae áts schweizerisch-dcutschen Kupferstechers Matthäus Meriaii. Während den am Hof Ludwigs XIV. verbrachten Jugendjahren von Eugen Franz, Prinz von Savoycn-Carigiian (1663-1 736) schuf Israel Silvestre, der Hofmiller von Ludwig XIV., seine bekannten Ansichten vom Schloss und der Gartenanlage in Versailles. Auch der Architekt und Kupferstecher Jean Marot, der um 1670 ein als Grand Marot bekanntes Stichweik zui' französischen Architektur veröffentlichte, hatte in dieser Zeit die Bauten von Ludwig XIV. festgehalten. Nicht unerwähnt bleiben soll dessen Sohn Daniel Marot d. Ä.,der in den Diensten von Wilhelm 111. von
Oranien-Nassau stand und diesen nach England begleitete. Ebenfalls Kupferstecher, veröffentlichte er 1702 ein bedeutendes Orna-mencwerk, das künftig als Musterbuch für Innenausstattungen diente.
Wenige Jahre später hatte in Wien der österreichische Architekt Joseph Emanuel Fischer von Erlach dem kaiserlichen Oberscstall-meister Philipp Sigismund Graf Dietrichstein eine von ihm selbst gezeichnete und von Johann Adam Delsenbach gestochene Ansichtenreihe von Wiener Palästen gewidmet, ein Werk, das der Architekturzeichner und Kupferstecher Salomon Kleiner (1700-1761) später weiterführen sollte. Der 1700 in Augsburg geborene Kleiner lebte seit 1720 in der kaiserlichen Hauptstadt. Im Auftrag der Augsburger Kunsrverleger Johann Andreas PfefTel und Jeremias WolfF begann er, Klöster, Kirchen, Profanbauten, gräfliche sowie fürstliche Schlösser und Paläste, Straßen und Plätze in Wien zti zeichnen. Deren Stichreproduktionen wurden zwischen 1724 und 1737 in einer groß angelegten Folge von Wiener Veduten herausgegeben. Die Wdhrhnjfre nnd genaue Abbildung Aller Kirchen und Klöster, Welche sowohl in der keyßerl: Residenz-Stadt Wien, ah auch in denen umliegenden Vomatten sich befinden. Wobey nicht weniger theih FürstL theih Gräßl. Und andere schöne Gebäude denen Liebhabern zur Belustigung tmgesteilet seyn bestand aus vier 'lei 1 en und enthielt jeweils 33 Ansichten. Von der Entstehungsgeschichte eines derart umfangreichen Stichwerks in Österreich sind wir durch ein Schrei-