Bővebb ismertető
Franz Nabl Die Steiermark Man könnte sich versucht fühien, Steiermark eine Landschaftssymphonie zu nennen. Und auf den ersten Blick hin schiene es leicht, dieses schöne Land in vier Sátze zu gliedern, wie eine richtige Symphonie sie habén soll, in ein Allegro, in ein Adagio, ein Scherzo und ein Presto. Die anmutig bewegte Mitte des Landes etwa fiigte sich gut in den ersten Satz ein, der tiefe, ergreifende Ernst der Niederen Tauern in den zweiten, das fröhliche Weinland in den dritten und das scharfe Gefiille der Mur in ihrem Oberlauf, der Enns im Gesause - gabe das nicht am Ende das Presto oder gar ein Prestissimo? Aber wenn man náher zuschaute, dann stimmte das Bild doch nicht ganz, dann entdeckte man in jedem einzelnen Satz auch Teile der anderen, und zuletzt miifite man erkennen, dafi der freie, ungebundene Schwung und Flufi der Landschaft sich so wenig wie das Wesen ihrer Menschen in ein starres Bett zwángen, auf eine Formel bringen Iáik. Man spricht ja auch nicht nur von der grünen oder nur von der eisernen Mark. Beide Namen fordern ihr Recht und durchdringen einander und werden eben dadurch erst zu dem, was sie sind, was ihre Trágerin so schön und so liebenswert macht. Vielleicht dürfen wir aber gerade darum mit gutem Gewissen sagen, dafí kein anderes Gebiet österreichs eine so unerschöpfliche Vielfalt von Erscheinungen und Reizen in sich einschliefit wie eben die Steiermark. Bleiben wir einmal bei der Landschaft als Ausgangspunkt unserer Umschau. Láge der Dachsteingletscher nicht unmittelbar jenseits der Landesgrenze, dann dürfte Steiermark sich auch mit diesem Krönungsgeschmeide der Hochalpen schmiicken. Gleichwohl mag sie darauf verzichten, ohne sich Abbruch zu tun. Der Gipfel des Berges gebührt ihr so gut wie dem nördlichen Nachbarn oder wie die wiederum auf der Grenzschneide ruhenden Gipfel des Preber und des Hochgolling dem westlichen. Und was sonst noch an Berghauptern aufragt in den Niederen Tauern und im Gesause oder im wahren steirischen Urberg, dem Hochschwab, das kann für den Mangel an Dreitausendern trösten und den Neid gegen Kárnten, Salzburg und Tirol füglich ersparen. Es ist übergenug, um der Steiermark den Namen eines Gebirgslandes zuzuerkennen. Und dafi sie auch ein schier unermefiliches Waldland ist, das braucht keine Stimme zu künden, das sieht jeder, der offenen Auges nur eines ihrer Haupttaler durchstreift; dazu braucht er nicht erst in die zahllosen allüberall abzweigenden Seitengráben einzutauchen und in ihre oft stundenlange Waldeinsamkeit. Gröfiere Seen gibt es freilich in Karnten, Salzburg und Oberösterreich, schönere aber als der Altausseer, der Grundloder der Leopoldsteiner See werden sich schwerlich finden. Und wollte einer die vielen, oft namenlosen, blinkenden Himmelstranen der Niederen Tauern aufzáhlen, er káme damit nicht so bald ans Ende. Als Flufiland wiederum besteht es mit der Mur und der Enns gar wohl die Nebenbuhlerschaft mit dem Tiroler Inn, mit der Karntnerin Drau, und neben diesen Bergströmen und ihren vielen übermütig sprudelnden Helfern gleiten manche bescheidenere still-friedlich dahin durch Wiesen und Auen gleich der Sulm und der unteren Kainach. Und wo vollends gábe es sonst im ganzen österreich so überquellende, gesegnete Fruchtgefilde wie im mittleren und südlichen Land! Gefilde, wo zwischen dem köstlichsten Obst das Türkenkorn, der Kürbis und die Traube in solch verschwenderischer Füllé reifen.