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er heute im Allgäu wandert oder durchs Allgäuer Voralpenland fährt, der wird kaum auf den Gedanken kommen, daß das Allgäu zu irgendeiner Zeit einmal anders ausgesehen haben könnte, als es sich heute präsentiert: am Horizont die Kette der Berge, je nach Jahreszeit mit oder ohne Schnee auf den uns vertrauten Gipfeln; im Vorland sonnenbesdiienene Wiesen mit schattigen Wäldern, dazwischen da und dort die roten Tupfen freundlicher Ziegeldächer über sauberen, weißgetünchten Bauernhöfen. Zwischen Wäldern und Höfen auf den saftigen Wiesen unter selbsterzeugtem Glodsen-geläut Herden glücklicher Kühe.
Die Berge und die Kühe geben dem Allgäu so sehr das ihm eigentümliche Gepräge, daß man ohne weiteres annimmt, es könne von Anbeginn der Welt eigentlich immer nur so und nicht anders gewesen sein. Wir bitten den geneigten Leser um freundliche Nachsicht, wenn wir ihm anstelle dieser „Weltanschauung" Früchte vom Baum unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse verabfolgen. Das Allgäu hat im Laufe seines langen Daseins mancherlei Wandlungen durchgemacht.
Zur Erleichterung des Verständnisses gliedern wir das große Spectaculum von der Entstehung des Allgäus in 5 Akte, wobei man uns nachsehen möge, daß das Geschehen von 300 Millionen Jahren sich nicht ohne Substanzverlust in wenige Buchseiten zusammenfassen läßt.
Die Szenerie des 1. Aktes, der im Erdaltertum während der sogenannten Steinkohlenzeit vor ungefähr 300 Millionen Jahren spielt, zeigt das „erste" Allgäu bereits als Gebirgsland aus kristallinen Gesteinen.