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VORWORTIm Wiener Weltausstellungsjahre 1873 als .MährischesGewerbemuseum ins Leben gerufen, ist der jetzt vierzigjährige Jubilar schon durch seinen Anreger, den Mährischen Gewerbeverein in Brünn, zur eindringlichsten Förderung der zeitgenössischen Arbeit verpflichtet worden.Da man dieses Ziel vor vierzig Jahren vor allem an der Hand alter Vorbilder zu erreichen glaubte, beschränkten sich die Sammlungen von vornherein nicht bloß auf Erwerbungen aus der Wiener Weltausstellung, sondern zogen mehr und mehr auch Erzeugnisse der historischen Stile an sich.Was so im Laufe von vier Jahrzehnten, unter wechselndem Finderglück und in der Beschränktheit der Mittel festzuhalten ermöglicht war, stellt sich in seinen Hauptstücken hier vor. Eine Auslese, die dem einen zu wenig, dem anderen vielleicht zu viel bietet, doch immerhin einen Einbhck in den Charakter der Anstalt und auch in die jeweilige Sammelart gibt. Denn unwillkürlich ändern sich die Ziele mit den Zeiten und den Leitern.Oberster Grundsatz blieb nur unverändert durch all die Jahre; in erster Linie mährisches Kunstgut aller Art zu retten, unbekümmert ob es der hohen oder der angewandten Kunst angehört. Denn diese ausgeklügelte Trennung ist erst ein Ergebnis theoretisierender Kunstarmut des 19. Jahrhunderts bessere Zeiten unterschieden nur zwischen gut und schlecht, ohne Rücksicht auf Format, Technik und Stoff.Mit Ausnahme der im Lande so reichlich entdeckten vorgeschichtlichen Funde, deren wissenschaftliche Aufsammlung und Bearbeitung dem Mährischen Landes-(Franzens-) Museum obliegt, flüchteten sich schon frühzeitig, lange ehe an eine wissenschaftliche Spürarbeit gedacht wurde, heimische Arbeiten aus Kirche und Schloß, Bürger- und Bauernhaus in unser Museum, dessen bedeutsamste Aufgabe ja eben darin bestand, den Ehrgeiz des mährischen Kunsthandwerkers von heute durch den Hinweis auf seine Vorgänger zu wecken.Fast die Hälfte aller Tafeln dieses Werkes bringen mährische oder doch aus Mähren kommende Erzeugnisse:Altäre und Kanzeln, Meßgewänder und weltliche Stickereien, Fayencen und Öfen, Möbel und Schmiedeeisen und als jüngste Erwerbung eine der seltenen Brünner Goldschmiedearbeiten, einen getriebenen Deckelpokal, den vermutlich Hans Leutschacher im Anfang des 17. Jahrhunderts in Brünn verfertigt hat (Tafel LX, Nr. 148).Die schöne Kanzel von 1704 aus dem Olmützer Dom (Tafel IV), der gotische Altar von Seitendorf (Tafel II), der barocke Hochaltar von Litentschitz (Tafel III), das aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts stammende Marienbild des Brünner Thomasklosters (Tafel I), der südböhmischen Malerschule zugehörig, dann die prachtvollen Meßgewänder des Brünner Domschatzes (Tafeln XLVIII bis L) geben einen Begriff von der hohen Entwicklung der kirchlichen Kunst in Mähren.Der volkstümliche Gegenwert dazu, die Freude an leuchtenden Fayenceglasuren und buntfarbigen Stickereien, von denen das Museum eine reiche Auswahl aller Formen, Zeiten und Techniken besitzt, konnte hier nur andeutungsweise vorgeführt werden (Tafeln XXXIX, LH).Die an datierten Stücken bis ins 17. Jahrhundert zurück verfolgbare, durch strenge Stilisierung und schöne Farben ausgezeichnete Habanerware, die sich ja nicht an die Landesgrenze gebunden hat, dann Proskauer und namentlich Holitscher Fayencen sind als verwandte Arbeiten der Grenzländer neben den heimischen Fabriken zu Mährisch-Weißkirchen und Frain im Museum .^ut vertreten (Tafeln XLXLI).°Was der städtische Hafner, Tischler und Schmied an Ofen (Tafeln XXXIII-XXXV), Möbeln (Tafeln XXIII, XXV-XXVI) und Gitterwerk (Tafeln LIIILV) cre' schaffen, beweist eine genaue Vertrautheit mit Stil und Technik ihrer Zeit.Das Museum hätte indessen damit allein seine stren. umschriebenen Aufgaben nicht erfüllen können. Es mußte darauf bedacht sem, die Richtlinien der Kultur- und S11-entwicklung, auch ohne Rücksicht auf Mähren, tunlich t lückenlos zu zeigen und in dem seit dreißig ahren all gemeinen Wettlauf gleicher Anstalten nicL