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Die Havel ist weiblich, darüber besteht kein Zweifel. Sie besitzt alle Eigenschaften, die man von aiters her den edlen Frauen nachsagt.Anfangs scheint sie noch nicht zu wissen, was und wohin sie will. Sie tandelt durch mecklenburgische Seen, spielt Verstecken, taucht wieder auf und ist eigentlich erst ab Fürstenberg ernst zu nehmen. Sie flieBt, zunáchst noch wankelmütig, dann immer entschiedener von Nord nach Süd, flirtet mit Jolién und Ausflugsdampferchen; erst bei den Zehdenicker Ziegelwerken will sie mit Sie angeredet werden.In Oranienburg und Hennigsdorf mu6 sie man-cherlei schleppen und schlucken. In Potsdam, das sie liebreich mit beiden Armen umschlingt, wendet sie sich plötzlich westwárts, behált die Richtung bei bis hinter Brandenburg, überlegt sich's im Plauer See und flieBt nach Norden weiter, streckenweise fast parallel mit der Elbe, jenem gröBeren Flusse, in den sie sich früher oder spáter ergieBen wird.Aber noch zögert sie's hinaus, windet sich, macht Seitensprünge; endlich, bei Havelberg, reicht sie dem máchtigeren den kleinen Finger, um bald darauf ganz in ihm aufzugehen.Von Norden kommend und schliefilich wieder gen Norden fliefiend beschreibt sie einen Halbkreis und das Stückchen Erde, das sie umspannt, ist unser Havelland Wer sich aus Kindertagen jener primitíven Schaukeln entsinnt, die aus einem Strick zwischen zwei Apfelbaumen bestanden, der hat die geschwungene Linie vor sich, in der sich die Havel auf unseren Karten prasentiert.Diesen bildhaften Vergleich fand Theodor Fon-tane, als er zwischen 1858 und 1878 durch die Mark Brandenburg wanderte. Als Balladendichter kaum bekannt, betrat er wie er selber schrieb - die márkischen Herrenháuser durch nichts mehr intro-duziert als ein Hagelkurranz-Assessor. Berühmt wurde er erst durch sein Alterswerk. Generationen spáter begriffen die Leser seiner Reise-Feuille-tons, daB er recht eigentlich der poetische Ent-decker der márkischen Streusandbüchse gewesen. Er hat es sich nicht tráumen lassen, daB Menschen hundert Jahre nach ihm auf seinen Spuren dieses Land durchwandern und neu erforschen, ja, daB sie es liebevoll Fontane-Land nennen würden. Zuseinen Lebzeiten hieB es noch Bredow-Land, Ro-chow-Land, Zieten-Land nach den Junkerfamilien, die es mit harter Hand zusammenhielten.Das Lándchen FriesackDas Plateau zwischen Rhin- und Havellándischem Luch hieB Bredow-Land, weil, solange man sich erinnern konnte, die Herren von Bredow darin be-stimmten, was Recht und Unrecht war. Eine alte Sage erzahlt, der Teufel sei in grauer Vorzeit übers Havelland gef logen und habe die Herren von Bredow im Sack auf dem Riicken getragen; an der Kirch-turmspitze von Friesack jedoch schlitzte der Sack unglücklicherweise auf, herauspurzelten die Höllen-kandidaten und verteilten sich übers ganze Land.In Wahrheit waren sie keineswegs vom Himmel gefallen, sie kamen mit Albrecht dem Bárén nach Nord-Ost-Land geritten, und Ritter Arnold beklek-kerte sich unterwegs derart mit Kriegsruhm, daB ihm der Bár zum Lohn ein paar unterworfene slawische Fischerkietze schenkte. Seine Söhne vermehrten sich und ihr Vermögen mit erstaunlicher Schnellig-keit, und bald gehörte ihnen nicht nur dat hus un stat friesack, sondern auch alles Land drumherum mit Dörfern und Wáldern, Wiesen und Wassern, Steuern und Wagendiensten, Oberen und Niederen Gerich-ten, geistlichen und weltlichen Lehen. Einen dieser Herren nahm Willibald Alexis als Vorbild für seinen Román Die Hősen des Herrn von Bredow, einem für heutige Begriffe etwas langstieligen Mantel- und Degenstück, das sich in Wirklichkeit viel deftiger abgespielt habén dürfte, denn der Held war ge-fürchtet als jáhzornig, wüst und versoffen. Als die Wegelagerei nicht mehr genügend einbrachte, wurde er Protestant, zog alle kirchlichen Lehen und das Eigentum von dreizehn katholischen Kirchen ein und sanierte sich auf diese Weise.Fontane nannte die Bredows die markischste aller márkischen Familien, doch blieb sein Bredow-Kapitel bezeichnenderweise unvollendet. Damals lebte der Gutsherr auf Senske noch, ein gewaltiger Nimród, der mit knochenbrecherischer Troika auf Hasén- und Fuchsjagd fuhr; und auf Landin saB einer, so dick, geizig und bösartig, dafi sich selbst in