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Das ist HamburgWie oft ist schon versucht worden, demPhänomen Hamburg mit Worten beizukommen:Da ist vom Venedig des Nordens die Rede,vom Tor zur Welt oder gar von der ganzenWelt in der Nußschale. Da wird das Kunst-werk Hamburg gerühmt, die grüne Stadtgepriesen, der wirtschaftliche Ballungsraumim Norden Deutschlands beschworen. Undunweigerlich gehen die in stolzer Geschichteerworbenen Attribute frei und Hansestadtdem Namen der Kaufmannsmetropole voran -wie die mit Spezereien, Gold und Edelsteinenbeladene Vorhut der Königin von Saba, als siezu Salomon reiste, um ihn mit Rätseln zuversuchen.Kein Zweifel - die köstlichsten Produkte ausOrient und Okzident finden sich in Hamburg ingeradezu verwirrender Fülle zusammen. Wohin-gegen die Rätsel, die diese Stadt bisweilenaufgibt, mit klarem Blick und mit Verstand nochallemal zu lösen sind. Dennoch hat es auch ankritischen Bemerkungen nie gemangelt: Ham-burg sei die Hochburg prosaischer Pfeffersäcke,hieß es, die Hamburger seien freßlustige Krä-merseelen und Kunstbanausen, die Hamburge-rinnen drall und langweilig - und das Wettergrundsätzlich trostlos.Zum Glück konnten und können es sich dieHamburger (und Hamburgerinnen) leisten, Lobund Tadel gleichermaßen hinzunehmen. Siehaben ein erstaunlich unproblematisches Ver-hältnis zu ihrer Stadt. Wie sie überhaupt auf dievielfältigen Erscheinungen des Lebens gelassenund pragmatisch reagieren. Bestimmt denn nichtletzten Endes, beziehungsweise von Anfang an,die topographische Situation einer Stadt denCharakter ihrer Bewohner?Obzwar Hamburg nicht, wie südlich des Mainsimmer noch vielfach angenommen, an derNordsee liegt, sondern rund 100 km landein-wärts an der hier 350 m breiten Elbe, undeigentlich von der Alster her gewachsen ist,einem ursprünglich schmalen Wasserlauf -obzwar also Hamburg ganz und gar keineveritable Küstenstadt ist, regiert doch das Meerden Rhythmus des Lebens in diesem zweitgröß-ten Ort und zugleich zweitkleinsten Bundeslandder Republik. Die Gezeiten der Nordsee wirkensich im Elbstrom weit über Hamburg hinaus bisnach Lauenburg aus; wer an diesem an- undabschwellenden Fluß lebt, wer mit ihm lebt, werdurch ihn Arbeit und Auskommen findet, derlernt sehr schnell, daß Fortuna eine im wahrstenSinn des Wortes wetterwendische Person ist.Wer wie die Hamburger sein Glück vom Meerabhängig macht und Handel über alle Weltmee-re hin betreibt, der hat zu akzeptieren, daß aufsorgsamste Planung auch mal ein Schlag insWasser folgt. Der muß, kurz gesagt, demSchicksal ins Auge blicken. Was kratzt ihn da dieKritik flüchtiger Durchreisender!Nein, nein, einen Hang zur Dramatik hat derHamburger gar nicht erst in sich hochkommenlassen. Er ist Realist. Und so wird es auch keinhiesiger Journalist gewesen sein, der eines derkommunalpolitischen Probleme durch ein Ge-dankenspiel verdeutlichen wollte: Man stellesich die pro Jahr anfallenden Abfälle derMillionenstadt auf dem neugestalteten Rathaus-markt gestapelt vor - sie ergäben einen Riesen-kubus, in dem man den Eiffelturm achtmalübereinander aufstellen könnte.Da fragt sich der Hamburger, der nun mal gernauf dem Boden der Tatsachen bleibt, wo mandenn die sieben weiteren Eiffeltürme hernehmensolle. Und im übrigen weiß er, der traditionellrepublikanisch gesinnte Bürger, nur zu gut, daßes ohne Spielregeln nicht geht: Innerhalb derBannmeile um das Rathaus darf ohne das Placetdes Bürgermeisters nichts versammelt odergestapelt werden, handele es sich nun um Müll,Atomgegner oder Eiffeltürme. Demonstratio-