Bővebb ismertető
Mit der Gründung des Instituts für Länderkunde (e. V.) in Leipzig am 1. Januar 1992, getragen je zur Hälfte von der deutschen Bundesregierung und vom Freistaat Sachsen, wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, an einer außeruniversitären geographischen Einrichtung regional bezogene Grundlagenforschungen und Dokumentationsarbeiten in einem größeren Umfang einzuleiten. Das Institut hat die Aufgabe, anwendungsorientierte Grundlagenforschung zu betreiben: Räumliche Konfigurationen und Entwicklungsprozesse als Ausdruck sozioökonomischer und politischgeographischer Strukturen und Vorgänge sollen beschrieben und analysiert werden, um Reaktionen und mögliche Regelhaftigkeiten besser verstehen zu lernen. Das regionale Arbeitsfeld sind Deutschland und die anderen Länder Europas, insgesamt ein Gebiet mit gegenwärtig geradezu dramatischen Wandlungsprozessen, eine außerordentliche und interessante Herausforderung für die wissenschaftliche Geographie. An erster Stelle ist dabei der tiefgreifende politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Wandel in Osteuropa zu nennen, der sich innerhalb weniger Jahre vollzog und noch vollzieht, dessen Auswirkungen von historischer Dimension sind. Die Beseitigung der militärischen und politischen Macht der Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes, die Formierung von 15 neuen Staaten in Ost- und Südosteuropa, der beginnende Demokratisierungsprozeß und die Auflösung der zentralistisch ausgerichteten Planwirtschaft sowie der schrittweise Übergang zur Marktwirtschaft haben den Jahrzehnte andauernden Ost-West-Konflikt beendet. Dazu kommt als ein zweiter Wandlungsprozeß die zunehmende Integration der Europäischen Gemeinschaft in Westeuropa, aus dem ebenfalls tiefgreifende neue raumrelevante Strukturen für ganz Europa zu erwarten sind. Von diesen Wandlungsprozessen in Europa ist ganz besonders Deutschland betroffen, da dieses Land in der Zeit zwischen 1945 und 1990 im Zentrum dieses Ost-West-Konfliktes stand. Mitten durch Deutschland verlief auf einer Länge von 1400 km eine fast unüberwindliche Grenze, die nicht nur Deutschland sondern auch Europa teilte und zwangsweise in zwei Systeme einordnete. Die gesamte gesellschaftliche Entwicklung verlief differenziert, von der Wirtschaftsentwicklung bis in die private Sphäre der Menschen. Am 9. November 1989 fiel auf Druck der ostdeutschen Bevölkerung diese Trennwand zwischen Ost und West. Danach wurde der Weg frei für die staatlich-rechtliche Vereinigung der beiden Teile Deutschlands, die am 3.10.1990 mit dem Beitritt der nun auf demokratischer Grundlage neugebildeten fünf Länder Ostdeutschlands zur Bundesrepublik Deutschlands möglich wurde. Die rechtlichen Grundlagen für die Vereinigung wurden in dem "Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik" vom 31. August 1990 im einzelnen geregelt, der im Bewußtsein der Menschen als der "Einigungsvertrag" existiert. Dieser politische Akt hat zahllose Veränderungsprozesse - teils erwünscht, ja gefördert, teils aber auch sehr nachteilig - ausgelöst, um die aus der Spaltung des Landes erwachsenen Probleme zu überwinden. Soweit räumliche Zusammenhänge und Konsequenzen mit diesen Veränderungsprozesen verbunden sind, kann und muß die Geographie Entscheidungshilfen für Politiker und Gebietskörperschaften erarbeiten. Das Institut für Länderkunde in Leipzig hat mehrere Forschungsprojekte dieser Art eingeleitet, deren Ergebnisse in absehbarer Zeit vorgelegt werden. Eine weitere Aufgabe wurde jedoch darin gesehen, möglichst rasch einen ersten Überblick über die sich nach der Vereinigung schon in Konturen abzeichnenden neuen Raumstrukturen in Deutschland zu geben, obwohl Klarheit darüber besteht, daß diese Strukturen in den nächsten Jahren noch erheblich modifiziert werden. So entstand die Idee, eine Monographie über das vereinte Deutschland aus geographischer Sicht zu erarbeiten, die möglichst schnell publiziert werden sollte, um die gemeinsamen Strukturen Deutschlands zu dokumentieren und publik zu machen. Zehn Mitarbeiter des Instituts haben dazu vorliegende Statistiken, Literatur und weitere raumanalytische Ergebnisse ausgewertet, Recherchen angestellt und die Publikation in eine Fassung gebracht, die einen möglichst großen Leserkreis in Deutschland und auch im Ausland erreichen soll. Zwei Überlegungen spielen dabei eine Rolle: Zum einen ist beabsichtigt, einen landeskundlichen Überblick über ganz Deutschland vorzustellen, den es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Er soll die natürliche Ausstattung der deutschen Landschaften in ihrer Vielfalt, aber auch die Industrielandschaften, die Städte, Erholungsgebiete, Agrargebiete und die großen Verkehrsachsen in ihrer Entstehung und Physiognomie dem Leser verständlich machen. Bei diesen Überblicksdarstellungen versuchen die Autoren, die für beide Teile Deutschlands sehr unterschiedlich vorliegenden statistischen Unterlagen vergleichbar aufzubereiten. Zum anderen ist beabsichtigt, die geographischen Auswirkungen des Vereinigungsprozesses an ausgewählten Beispielen stärker zu durchleuchten. Beim letzteren Gesichtspunkt war man sich einig, daß besonders für Aussagen über die neuen Länder größtes Interesse besteht und daß die strukturellen Veränderungen hier besonders wirksam werden. Der rasche Übergang von einer über 40jährigen zentralistisch ausgerichteten Planwirtschaft in eine soziale Marktwirtschaft in einem föderalistischen Staat vollzieht sich nicht ohne Probleme. Gebietsstrukturelle Besonderheiten der Vereinigung werden sichtbar gemacht, beispielsweise die Veränderungen im Städtesystem, die großen Umwandlungen in Industrie- und Agrargebieten oder die Auswirkungen der neuen Verkehrsverbindungen zwischen Ost- und Westdeutschland - eine wesentliche Brücke im Vereinigungsprozeß. In der Monographie werden die auf wissenschaftlicher Grundlage gewonnenen Ergebnisse in einer allgemeinverständlichen Art dargestellt. Die dazu entsprechende graphische Ausstattung und Gestaltung wurde vorwiegend durch Mitarbeiter des Bereiches "Deutsche Landeskunde" und der Abteilung "Kartographie" des Instituts für Länderkunde erbracht. Die hier vorliegenden 74 Abbildungen sind zum größten Teil speziell für diese Monographie entworfen und kartographisch aufbereitet worden, einige davon mit Hilfe der Computerkartographie. Die Anschaulichkeit konnte zudem durch 40 vorwiegend farbige Fotos verbessert werden, die dem Institut insbesondere von den Landesbildstellen der alten Bundesländer und der Deutschen Fotothek Dresden kurzfristig zur Verfügung gestellt wurden. Für diese Unterstützung möchten wir uns herzlich bedanken. Deutschland ist nun wieder vereinigt; sein räumliches Gefüge wird in absehbarer Zeit ein - wenn auch verändertes - funktionierendes Gesamtsystem bilden. Noch wesentlicher ist jedoch, Deutschland als Teil eines integrierenden Europas zu begreifen. Eine zweite Publikation wird daher den Titel "Deutschland in Europa" tragen. Prof. Dr. habil. Hanns J. Buchholz Gründungsdirektor des Instituts fiir Länderkunde