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Landschaft und Geschichte PergamonsIn der Weiträumigkeit des westlichen Küstenlandes Kleinasiens, etwa 28 km vom Ägöischen Meere entfernt, der Insel Lesbos gegenüber, erstreckt sich, von Süden nach Norden ansteigend, der Burgberg von Pergamon (Abb. 1). Der 300 m hohe Hügel wird im Westen und Osten von je einem schmalen Flüßchen umspült, dem Selinus und Ketios, die in südlicher Richtung das Tal durchziehen und im Kaikosflusse münden. Von der einst blühenden hellenistischen Residenz Pergamon, deren gewaltige, aufweiten Terrassenanlagen errichtete Bauwerke sich auf dem Hange und der Höhe des Burgberges erhoben, künden heute an dieser Stelle nur noch Fundamentreste, Ruinen und verstreute Architekturglieder, die, von Gebüsch und Gras umwachsen, im strahlenden Lichte der Sonne den Freund und Erforscher antiker Kultur dennoch In eine weihevoll andächtige Stimmung versetzen. Die am Fuße des Burgberges Im Südwesten sich ausbreitende spätere römische Stadtanlage wird durch die heutige türkische Stadt Bergamo eingenommen, die etwa 110 km nördlich von Izmir, dem ölten Smyrna, liegt.Bereits im 7. Jahrhundert v. u. Z. befanden sich, wie es Scherben von Tongefäßen erkennen lassen, auf dem Burgberg von Pergamon menschliche Siedlungen. über die Frühzeit von Pergamon wissen wir jedoch nur wenig, und auch in jenen Jahrhunderten, in denen das griechische Mutterland die große Zeit der Klassik erlebte, blieb Pergamon noch in vorgeschichtlichem Dunkel, das trotz einer überlieferten Erwähnung des im späten 5. Jahrhundert v. u. Z. lebenden athenischen Schriftstellers Xenophon nur wenig Licht empfängt. Erst in der Epoche, die dem Tode Alexanders des Großen folgte, in der Zeit der Diado-chenkämpfe, die um das Erbe Alexanders entbrannten, errang Pergamon geschichtliche Bedeutung. Im Jahre 282 v. u. Z. gründete Philetairos aus Tios durch Abfall von König Lysimochos, in dessen Diensten er In Kleinasien als Schatzmeister auf der Burg von Pergamon eingesetzt war, ein eigenes kleines Reich. Dieses umfaßte zunächst nur das mittlere Kaikostal mit den südlich und nördlich angrenzenden Höhen. Seine Residenz Pergamon ober sollte In der Folgezeit zum Kulturzentrum der gesamten hellenistischen Welt werden. Das Herrschergeschlecht der Attoliden, benannt nach dem Mokedonen Attalos, dem Vater des Philetairos, stand eineinhalb Jahrhunderte an der Spitze des pergomenischen Reiches. Unter Attalos 1. (241-197 v. u. Z.) und unter seinem Nachfolger Eumenes II. (197156 v. u. Z.) war es in schweren Kämpfen gelungen, die fortwährenden Überfälle der Goloter (Kelten) abzuwehren, die Pergamon und die griechischen Küstenstädte Kleinasiens bedrohten und in Schrek-ken versetzten. Die Siege über die Feinde des Landes, zu denen auch die benachbarten Seleukiden und Bithynier zählten, brachten dem pergomenischen Reich weite territoriale Ausdehnung und führten es zu einer Großmachtstellung innerhalb des kleinasiatischen Raumes.